Unser Plan gegen Hitze in der Stadt

Rot-Pink hat keinen Plan, um die Stadt wirksam abzukühlen. Wir schon.
Die aktuelle Hitzewelle trifft Wien heuer außergewöhnlich früh und mit besonderer Wucht – ein deutliches Zeichen für die fortschreitende Klimakrise. Die aktuelle Hitzebelastung in der Stadt zeigt aber auch, dass die bisherigen Maßnahmen der rot-pinken Stadtregierung bei weitem nicht ausreichen.
Während Kinder und Lehrkräfte bei bis zu 37 Grad in den Klassenzimmern sitzen, schaffen es viele ältere Menschen aufgrund der extremen Hitze in den Straßen kaum, von ihren Wohnungen in gekühlte öffentliche Räume zu gelangen.
Die Belastung in Gemeindewohnungen und auch in Krankenhäusern ist aufgrund fehlender Sanierungen enorm. Gleichzeitig fehlen zehntausende Bäume, die für eine wirksame Abkühlung notwendig wären.
„Die Stadtregierung muss jetzt vor allem jene schützen, die der Hitze am meisten ausgeliefert sind – Menschen mit geringerem Einkommen, Kinder, Jugendliche, ältere oder kranke Menschen. Auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Spitäler, Öffis und auch dicht bebaute Gebiete müssen endlich besser geschützt werden.“
Judith Pühringer Stadträtin, Parteivorsitzende, Sprecherin für Arbeitsmarkt und Menschen mit Behinderung
Zunehmende Gefahr: Statistik verdeutlicht Handlungsbedarf
Seit den 1990er-Jahren hat sich die Zahl der Hitzetage in Wien verdreifacht. Die Stadt ist im Sommer durchschnittlich um 2,5 Grad wärmer als das Umland. Asphalt, Beton und versiegelte Flächen speichern die Hitze und verhindern die dringend notwendige nächtliche Abkühlung.
Die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze reichen von Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen bis hin zu Kreislaufversagen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, obdachlose Menschen sowie all jene, die sich der Hitze nicht einfach entziehen können.
Wie dramatisch die Auswirkungen bereits sind, zeigen die Zahlen des AGES-Hitze-Mortalitätsmonitorings: Im Jahr 2024 – dem bisher heißesten Jahr der Messgeschichte – starben österreichweit 989 Menschen an den Folgen von Hitze, davon 216 in Wien. Damit starben mehr als doppelt so viele Menschen an den Folgen von Hitze als im Straßenverkehr.
„Die aktuelle Hitzewelle zeigt, dass die Wienerinnen und Wiener nicht länger warten können. Wien braucht endlich einen mutigen Plan gegen die Hitze. Rot-Pink setzt lediglich auf einzelne Maßnahmen, der großer Wurf fehlt. Das ist einfach nicht genug.“
Peter Kraus Stadtrat, Parteivorsitzender, Sprecher für Klima, Baukultur und Queerpolitik
Die rot-pinke Stadtregierung versagt beim Hitzeschutz
Die rot-pinke Stadtregierung lässt Schulen und Kindergärten seit Jahren auf funktionierende Beschattungssysteme und Reparaturen warten. Bis heute wurde kein ausreichendes Angebot geschaffen, das obdachlose Menschen tagsüber vor extremer Hitze schützt und schafft es auch nicht, Gesundheitseinrichtungen konsequent hitzefit zu machen.
Sie bleibt bei den Stadtbäumen weit hinter dem Notwendigen zurück: Statt der 100.000 neuen Bäume bis 2030 hat sich Rot-Pink lediglich 20.000 vorgenommen. Geplante Projekte wie die Umgestaltung der Gumpendorfer Straße werden einfach abgesagt.
Und während die Temperaturen nach oben klettern, streicht die Koalition das wichtige Förderprogramm „Lebenswerte Klimamusterstadt“ ersatzlos. Dadurch fehlt den Bezirken das notwendige Geld für Begrünung, Entsiegelung und Baumpflanzungen.
Außerdem will Rot-Pink Frischluftschneisen wie im Westbahn-Areal verbauen und unternimmt nichts gegen das Austrocknen der Lobau.
Der Grüne Hitzeplan
1. Plan für kühlere Innenräume
Kühle Wohnungen statt Hitzefallen
Mit den zunehmenden Hitzewellen wird Kühlung in den Wohnungen zur dringenden Notwendigkeit. Der Schutz vor Hitze darf keine Frage des Einkommens sein. Deshalb braucht es neben einer massiven Aufstockung der Förderungen für Außenjalousien auch planvolle und energieeffiziente Lösungen wie Bauteilaktivierung und Fernkälte als Standard bei Neubauten und umfassenden Sanierungen.
Wir fordern ein Recht auf gekühlten Wohnraum für alle – der Sozialbau zeigt bereits, dass das möglich ist. Die nächste Bauordnungsnovelle bietet die Chance, diesen Weg für alle zu öffnen.
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen abkühlen
Überhitzte Krankenzimmer und Aufenthaltsbereiche können die Gesundheit und Genesung beeinträchtigen. Auch Pfleger:innen, Krankenschwestern oder Ärzt:innen leiden zunehmend unter den hohen Temperaturen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
Es braucht daher ausreichend gekühlte Aufenthalts-, Arbeits- und Ruheräume, wirksame Beschattung und mehr Begrünung in den Außenbereichen. Moderne und energieeffiziente Kühlsysteme sowie eine ausreichende Trinkwasserversorgung müssen ebenso selbstverständlich sein wie Hitzeschutzpläne.
Kühle Schulen und Kindergärten
Kinder sollen auch an heißen Tagen gut lernen können. Aber fast 90 Prozent der Schüler:innen und Lehrkräfte empfinden Hitze in Schulgebäuden als Belastung. Deshalb braucht es einen verbindlichen Hitzeschutzplan für alle Schulen und Kindergärten.
Funktionierende Außenjalousien, mehr Begrünung auf Schulhöfen und an Gebäuden sowie thermische Sanierungen müssen dabei ebenso selbstverständlich werden wie klimafitte Neubauten.
Wo es technisch möglich ist, soll außerdem Bauteilaktivierung zur energieeffizienten Kühlung eingesetzt werden. Eine einfache Lösung ist eine Regelung, die konsequentes nächtliches Querlüften ermöglicht.
2. Plan für Abkühlung des öffentlichen Raums
Mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Grün
Die wirksamste Klimaanlage der Stadt sind Bäume: Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, verbessern die Luftqualität und erhöhen die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Deshalb soll Wien bis 2030 100.000 zusätzliche Bäume pflanzen.
Damit würde sich der heutige Straßenbaumbestand verdoppeln und der Baumüberschirmungsgrad von derzeit 15 auf die wissenschaftlich empfohlenen 30 Prozent steigen. Gerade in dicht verbauten Grätzeln ist das eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Stadt an die zunehmende Hitze anzupassen und die Lebensqualität langfristig zu sichern.
Dazu müssen auch bestehende Bäume besser geschützt werden – mit einem stadtweiten Monitoring des Gesundheitszustands der Bäume, mehr Bewässerungskapazitäten und zusätzliche Gießfahrzeuge.
Mehr Geld für Klimaanpassung in den Bezirken
Die Stadt Wien hat 2025 rund 12 Millionen Euro an Ausgleichsabgaben für Baumfällungen eingenommen. Dieses Geld soll den Verlust von Bäumen ausgleichen und für Neupflanzungen sowie Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen verwendet werden. Derzeit fließt das Geld jedoch ins Generalbudget der Stadt.
Gleichzeitig stehen die Bezirke bei Begrünung, Baumpflanzungen und Klimaanpassung vor großen Herausforderungen, verfügen aber oft nur über begrenzte finanzielle Mittel. Die Einnahmen aus den Ausgleichsabgaben sollen deshalb künftig direkt den Bezirken zur Verfügung stehen – dort, wo sie für mehr Bäume und mehr Schatten dringend gebraucht werden.
Frischluftschneisen schützen
Kaltluftströme und Frischluftkorridore sind natürliche Klimaanlagen und spielen eine zentrale Rolle für die nächtliche Abkühlung. Trotzdem werden ihre Funktionen bei Stadtentwicklungsprojekten und Umwidmungen nicht ausreichend berücksichtigt. Ein Zukunftsprojekt könnte etwa die Renaturierung des Wienflusses sein.
Bei größeren Bauvorhaben soll deshalb verpflichtend untersucht werden, welche Auswirkungen Bebauung, Versiegelung oder höhere Gebäude auf die Entstehung von Hitzeinseln haben. Die Ergebnisse müssen dann verbindlich berücksichtigt werden, um Frischluftschneisen zu erhalten.
Kühle Öffis für alle
Öffentliche Verkehrsmittel müssen Teil der städtischen Hitzeschutz-Infrastruktur werden. Gerade ältere Menschen, Kinder und alle, die auf Öffis angewiesen sind, dürfen an Hitzetagen nicht zusätzlich belastet werden. Deshalb sollen in Hitzeperioden nur mehr klimatisierte Fahrzeuge im Einsatz sein und ältere Garnituren rasch nachgerüstet werden. Gleichzeitig braucht es mehr Hitzeschutz an Haltestellen und Umsteigeknoten – durch Beschattung, Begrünung, Bäume, Entsiegelung und Trinkbrunnen.
Wasser für die Lobau
Die Lobau ist einer der wichtigsten Naturräume Wiens und erfüllt eine zentrale Funktion für Biodiversität, Stadtklima und Naherholung. Gleichzeitig setzen sinkende Wasserstände und zunehmende Trockenheit dem Auengebiet immer stärker zu. Das außergewöhnlich trockene erste Halbjahr 2026 hat die Situation zusätzlich verschärft. Um die ökologische Funktionsfähigkeit der Lobau langfristig zu sichern, braucht es rasch Maßnahmen zur Stabilisierung des Wasserhaushalts. Die Stadtregierung lässt sich hier viel zu viel Zeit.