Ursula Berner

Landtagsabgeordnete
Sprecherin für Kultur, Familie und Personal

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„Es ist genug für alle da – wir müssen es nur gerecht(er) verteilen.“

Ursula auf Social Media

mein Spezialgebiet:
KULTURpolitik

Die größten herausforderungen im KulturBEREICH?

Dein politisches Spezialgebiet ist die Kultur. Corona hat die Kulturszene schwer getroffen. Was sind die größten Herausforderungen im Kulturbereich und was machen wir Grüne da? 
Corona hat wie mit einem Brennglas Herausforderungen deutlich gemacht, die viele Kulturtätige schon lange kennen und benennen: Prekariat und wenig soziale Absicherung für sehr Viele, wenig Nachhaltigkeit bzw. Planbarkeit und wenig Spielraum für neue Ideen. Wer schon in guten Zeiten prekär ist, steht jetzt schnell ganz ohne was da. Und mittlerweile stöhnen auch die Etablierten. Ein unstetes Leben von Projekt zu Projekt mit wenig Planungssicherheit  und unregelmäßigem Einkommen, immer abhängig von Fördermittel und Besucher:innenzahlen findet man, wenn man mal über 40 Jahre alt ist, oft nicht mehr so sexy, ganz besonders, wenn es darum geht, eine Familie zu planen und zu versorgen.  

In Wien verstehen wir Kultur traditionell als identitätsstiftend. Wien ist Kulturstadt,  d.h., es gibt gut eingeführte Institutionen, die schon 150 und mehr Jahre bestehen. Das ist gut und macht einen Teil der Wiener Identität aus – für junge innovativere Ideen ist dann aber oft weniger Geld und wenig Raum da. Wir pumpen sehr viel Fördergelder in Institutionen, die es immer schon gab.

Die Gesellschaft hat sich in den 150 Jahren aber geändert. Wir sind bunter geworden und demokratischer. Die Jungen stellen andere Fragen. Die Jungen betreten einen samtausgeschlagenen Raum mit engen Sitzen zwar ehrfürchtig, aber können hier schwer Bezug zu ihren Lebenserfahrungen sehen. Sie brauchen neue Räume, um sich auszuprobieren. Sie brauchen auch spezifische Förderungen, die nachhaltige Entwicklungen möglich machen. Es wäre schön und wichtig, die Experimente nicht nur an den Stadtrand zu verbannen. Wien braucht einen Plan, wie sich das Kulturangebot entwickeln soll, welche Schwerpunkte neu gesetzt gehören. Wie wir heute Stellschrauben drehen müssen, damit das Wiener Kulturangebot auch in Zukunft noch die Bevölkerung interessiert, vielleicht auch zum Diskurs provoziert. Wir müssen die etablierten Kulturbetriebe für alle öffnen. Wenn wir das nicht machen, wird Wien langsam zu einem Phantasieort für nostalgische Touristen verkommen. „Kommen Sie ins Wien, wie es nie gewesen ist“, hat es in einer Ausstellung des Wien Museums vor ein paar Jahren einmal geheißen. Die Kulturpolitik der Zukunft muss es schaffen, die zwei Pole zwischen Nostalgie und Innovation zu verbinden. Es gibt so viele kreative Menschen in Wien, wir müssen dringend im virtuellen Raum und in der Realität Platz schaffen, damit die ihre Ideen in der Stadt verwirklichen können.

mein antrieb, politikerin zu werden

Was wolltest du als Kind werden?  
Als Kind und Jugendliche habe ich sehr viel getanzt zuerst Ballett später mehr Ausdruckstanz und Jazz, damals wollte ich Tänzerin werden. Mit dem älter werden hab ich mich begonnen an politischen Debatten zu beteiligen und wollte später als Journalistin arbeiten.

Warum bist du Politikerin geworden?
Weil ich gerne etwas bewege! Ich war schon als Jugendliche engagiert: gegen Ausgrenzung und für Umweltschutz. Politisch aktiv war ich das erste Mal bei den öffentlichen Diskussionen um Waldheims Vergangenheit. Nach der Geburt meiner Kinder und dem feministischen Grundstudium hab ich entschieden, dass es mir nicht mehr reicht, nur zu kritisieren – ich wollte bewußt aktiv sein. Mein Antrieb war die Situation von Frauen im Beruf und im Alltag zu verbessern. Mein erstes Handlungsfeld war die Bezirkspolitik. Hier hab ich gelernt, wie langsam politische Prozesse laufen. Nur steter Tropfen höhlt den Stein. Es braucht Durchhaltevermögen, viele Wiederholungen  und Beständigkeit, um politische Ideen zu verbreiten und konkret Projekte umzusetzen.

Warum macht es Spaß, Politikerin zu sein?
Ich bin neugierig, da macht es Spaß viele verschiedenen Leute und ihre Ideen und Sichtweisen kennenzulernen. Man sieht die Welt immer wieder mit neuen Augen.

Ist es manchmal auch frustrierend?
Natürlich, Politik machen heißt oft Dinge immer und immer wieder zu wiederholen. Überzeugungsarbeit braucht viele kleine Schritte, und die führen nicht immer alle in Richtung Ziel. Wenn dann aber ein Kompromiss erzielt werden konnte, wenn ein Projekt umgesetzt wird, wenn alle in einem Boot sitzen und zusammenhelfen, sieht man, dass es sich ausgezahlt hat. Für die Benennung vom „Platz der Menschenrechte“ beim Museumsquartier zum Beispiel musste ich 5 Jahre lang unterschiedlichste Menschen überzeugen. Natürlich gibt es da Phasen, wo man sich fragt, warum man sich das antut. Aber jetzt ist der Platz fix in der Stadt verankert und es freut mich jedes Mal, wenn ich am Tisch von Francoise Schein vorbeigehe und sehe wie hier die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, um sich auszuruhen, zu jausen oder gemeinsam Schach zu spielen… Heute funktionieren der Platz und die künstlerische Intervention. Sie sind nicht mehr wegzudenken aus Wien.

In der Politik muss man Kompromisse schließen, fällt dir das schwer?
Ich bin ein pragmatischer Mensch, das hilft in der Politik. Ich kann gut akzeptieren, wenn auch das Gegenüber ein win braucht, um zuzustimmen – und eigentlich macht es mir Spaß, aus ursprünglichen Gegensätzen ein win-win zu entwickeln. Eine Unterwerfung des Gegenübers schafft immer Wunden, und die wiederum machen zukünftige Projekte umso schwieriger. Deshalb freu ich mich immer, wenn statt einem destruktiven Überstimmen, ein guter Kompromiss gelingt.

DIE ZUKUNFT AUS
MEINER PERSPEKTIVE

Was sind DIE GRoSSEN und kleinen ungelösten Probleme
unserer Zeit?

Die Klimakrise, Umverteilung, Solidarität, Energiegewinnung und Nachhaltigkeit und wie wir es schaffen ein gutes Leben für alle zu erreichen.

Das größte Problem ist wohl, wie wir die Klimakatastrophe aufhalten, wie wir auf nachhaltige Energieversorgung umstellen und wie wir es insgesamt schaffen, unseren ressourcen-verschleudernden Lebensstil so zu verändern, dass auch noch zukünftige Generationen einen lebensgerechten Planeten vorfinden. Nur wenn wir das schaffen, schaffen wir die Basis für ein solidarisches Zusammenleben. Und da müssen wir sicher lernen, viel globaler zu denken. Es reicht nicht nur, den eigenen kleinen Garten zu schützen, oder innerhalb der eigenen Landesgrenzen nachhaltig zu sein. Wir müssen auch weniger finanzkräftigen Ländern am ganzen Planeten die Chance lassen, ein nachhaltiges Zukunftsszenario zu entwickeln. Wenn wir nicht aufhören, den globalen Süden auszubeuten, wird die Einführung von reiner Biowirtschaft in Österreich allein die Welt nicht retten. Wenn wir die Energiegewinnung aus Atomkraft nicht weltweit abschaffen, den Wasserverbrauch reduzieren, wird es immer wieder Katastrophen geben, die viele Menschen zwingt, ihre nicht mehr lebensgerechten Länder und Städte zu verlassen.
Das soll nicht hoffnungslos klingen: jeder kleine Schritt hin zur Nachhaltigkeit ist sinnvoll. Jeder kleine Schritt hin zu mehr Solidarität und Umverteilung von Ressourcen, von einigen wenigen hin zu möglichst allen, ist notwenig und sinnvoll. Und wir werden die Jungen brauchen, die uns immer wieder mahnen uns aus der bequemen Konsument:innenhaltung zu verabschieden und selbst mit anzupacken – für ein gutes Leben für alle.

GROSSARTIGE DINGE AUS
ANDEREN METROPOLEN?

Was sind die drei großartigsten Dinge, die wir aus New York, London, Paris, Barcelona, Belgrad, Berlin oder aus einer anderen Metropole dringend nach Wien bringen müssen?
Mehr Diversität, mehr Buntheit in den Ensembles, mehr Partizipation und Mut, bestehende Traditionen in Frage zu stellen und Dinge neu zu denken – wie zum Beispiel gerade im Metropolitan Museum in New York. Der neue Direktor mit seinem Team wagt es, die traditionelle, eurozentristische Raumaufteilung neu zu ordnen. Er lädt viele unterschiedliche Gruppen ein, das Museum für eigene Performances zu nutzen. Es gibt da schon einige Ansätze in Wien. Aber wir brauchen mehr davon. Mehr Mut, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und traditionelle Pfade zu verlassen.

WIE SIEHT das Wien
deiner Träume AUS?

Im Wien meiner Träume finden alle, die hier sind einen guten Platz zum leben: Was das heißt? Es gibt kurze Wege, erneuerbare Energie, die Häuser und Straßen sind begrünt, es gibt barrierefrei Bewegungsmöglichkeiten und jeder und jede wird in seinen und ihren Stärken gefördert. Es gibt eine soziale Absicherung für alle und ein breites gemeinsam gestaltetes Kulturangebot.
Es gibt musischen Unterricht schon für die Kleinsten  – Musik und Tanz, malen und performen – und bis zum Ende der Schulpflicht. Es gibt ein breites Angebot auch für Erwachsene, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Und es gibt eine gute soziale Absicherung für Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen.

wird 2022 ein gutes Jahr
für die Grünen?

2022 wird ein gutes Jahr für die Grünen. Ich hoffe ja, zumindest arbeite ich daran! Und warum?  Wir werden die Pandemie überwinden und können viele überzeugen, dass Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung – in allen Bereichen – der Schlüsselweg für ein gutes Leben für alle ist.

ICH PRIVAT

Welche Hobbies hast du?
Mein Hobby ist natürlich die Politik … und mein Alltag ist die Politik … wenn ich mal in Serien kippe, sind es oft Politkrimis… und außerdem geh ich sehr gerne lange Spazieren 😉 – und tanzen.

Worüber kannst du lachen?
Über mich selbst.

Deine Lieblingsbuchhandlung?
Ich kauf gerne im Buchkontor, die haben auch einen super online Versand, oder in der Secondhand Buchhandlung in der Halbgasse – da find ich immer wieder den einen oder anderen Schatz.

Ursula Berner

Geboren 1971 in wien

Sprecherin für Kultur und Familie
Journalistin
Historikerin
ehem. Leiterin der Bezirksmuseums Neubau

Pressefoto Ursula Berner

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