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am 6. Februar

Spekulation im Altbau: 30 neue Fälle aufgedeckt

David Ellensohn - Investoren erwerben alte Zinshäuser und verkaufen binnen kurzer Frist mit enormem Gewinn weiter - so verliert Wien zu viele wertvolle leistbare Wohnungen. Wir zeigen anhand von 30 neuen Fällen in ganz Wien ein System von Wohnungsspekulation auf.

Der Run auf Immobilien in Wien ist ungebrochen. Seit Beginn der Wirtschaftskrise vor mehr als 10 Jahren fließt immer mehr Kapital auf den Immobilienmarkt.

Riesengewinne in wenigen Monaten

Im letzten Jahrzehnt hat es sich eingebürgert, alte Zinshäuser zu erwerben und binnen kurzer Frist mit enormem Gewinn weiterzuverkaufen. Dies passiert oft binnen weniger Monate und ohne irgendwelche Investitionen in die Substanz des Hauses. Im Gegenteil, oft werden Alt-Mieter*innen mit günstigen Mietverträgen zum Auszug bewegt.

Leistbarer Wohnraum geht so verloren

Wien verliert also leistbaren Wohnraum, indem Investor*innen Häuser an- und verkaufen. Das auch mehrmals bei der selben Liegenschaft und am Ende steht ein Bauträger, der tatsächlich renovieren und ausbauen will, aber für diesen rentiert sich das Projekt oft nur mehr, wenn zum Schluss höchstpreisige Wohnungen dabei herauskommen.

Spekulation im Altbau Grafik

ALTBAUTEN DIE ZU SPEKULATIONSOBJEKTEN WURDEN - FÜNF BEISPIELE

Ich habe mit meinem Team 30 Altbauten in Wien aufgedeckt, die zu Spekulationsobjekten wurden. Auf der Wieden, in der Favoritenstraße 60 etwa wurde ein Haus mit 26 Wohnungen und 2 Geschäftslokalen 2015 um insgesamt 3,1 Millionen Euro verkauft, ein Jahr später mit einer Steigerung von 1,38 Millionen und ein zweites mal 2018 mit einem weiteren Aufschlag von 1,9 Millionen Euro weiterverkauft. 

In der Erlachgasse 96 in Favoriten wurde innerhalb von 3 Jahren ein Gewinn von einer halben Million, und nur innerhalb eines weiteren Monats ein weiterer Gewinn von 800.000 Euro beim Weiterverkauf gemacht. 

Im Alsergrund, in der Kolingasse 15-17 wurde innerhalb von 22 Monaten sogar ein Gewinn von fast 11 Millionen Euro beim Weiterverkauf gemacht. 

Ähnlich verhält es sich zB mit einem Wohnbau in der Lienfeldergasse 27 in Ottakring: Innerhalb von 4 Monaten ein Gewinn von 270.000 Euro und in der Gerstlgasse 7 in Floridsdorf: 150.000 Euro Gewinn innerhalb von ebenfalls 4 Monaten.​​

„Wir wollen nicht den gesamten Immobilienhandel verbieten. Wir wollen verhindern, dass mit bloßen An- und Verkäufen Wohnungen grundlos verteuert werden. Wir müssen alles tun, um Kauf- und Mietpreise für Wohnungen leistbarer zu machen: Damit wird Wohnen günstiger, den Menschen bleibt mehr zum Leben, Geld fließt in den Wirtschaftskreislauf und nicht in die Taschen von Immobilienspekulanten.“
David Ellensohn, Klubobmann

Deshalb braucht es:

Ein Spekulationsverbot für die Dauer von 15 Jahren, in dem

    • Weiterverkauf des Hauses an einen weiteren Bauträger nur um den Einstandspreis zuzüglich Aufwandskosten jederzeit möglich; der Aufwand muss objektiv feststellbar und nützlich sein
    • Einzelabverkäufe an Endverbraucher*innen sind weiterhin erlaubt
    • unbeschränkte Gesamtabverkäufe eines Zinshauses sind nur dann möglich, wenn das Haus generalsaniert wurde und das Dachgeschoss ausgebaut wurde​