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am 2. September

Äußere Mariahilfer Straße: von der Durchzugsstraße zum Wohngebiet

Kilian Stark, Peter Kraus - Das Grätzel beim Westbahnhof braucht jetzt mehr Lebensqualität und weniger Verkehr - wir haben unsere Pläne dafür präsentiert.

Durch das neue autofreie Möbelhaus am Westbahnhof wird das Grätzel im 15. Bezirk eine Aufwertung erfahren, aber es braucht jetzt auch mutige Maßnahmen, um mehr Lebensqualität in die äußere Mariahilfer Straße zu bringen und den Verkehr zu beruhigen.

Mariahilfer straße als Vorbild

Sechs Jahre nach dem Umbau der Mariahilfer Straße zeigt sich, dass der Grüne Leuchtturm nicht nur international und national ausstrahlt (immer mehr Städte setzen auf Verkehrsberuhigung in ihren Stadtzentren), sondern auch unmittelbar von der „Mahü“ aus Impulse ausgehen: Die Otto Bauer Gasse, Neubaugasse, Zieglergasse, Zollergasse und viele andere wurden zu Begegnungszonen. Das ist die Stadt der Zukunft, von der nicht nur das Gewerbe, sondern vor allem die Anrainer:innen profitieren. Nur ein Jahr nach der Umgestaltung der Mariahilfer Straße nahm die Zustimmung der Menschen um 25 Prozent zu. Heute kann sich in Wien niemand mehr vorstellen, dass sich täglich Autokolonnen durch die Mariahilfer Straße stauen könnten.

VON VERKEHRSADER ZUR LEBENSADER

Es ist Zeit, auch den Menschen in Fünfhaus wieder mehr Lebensqualität zurückzugeben. Schon vor dem ersten Weltkrieg war die Mariahilfer Straße eine prachtvolle Straße, die das kunsthistorische Museum mit dem Auer-Welsbach-Park verbunden hat. Durch die Umgestaltung der inneren Mariahilfer Straße blühte diese auf, während die äußere Mariahilfer Straße und deren anschließende Wohnquartiere immer mehr zum Shopping-Großparkplatz verkamen. Die äußere Mariahilfer Straße ist verkehrsplanerisch am Stand der 80er Jahre, zum Leidwesen der Anrainer:innen. Die äußere Mariahilfer Straße wird nicht als Durchzugsstraße gebraucht, sie soll deshalb  wieder Ortskern von Fünfhaus werden. Demnach muss die Gestaltung dieser Straße auch im Nutzen der Bewohner:innen sein und der Durchzugsverkehr nachrangig behandelt werden.

Visualisierung äußere Mariahilferstraße
Unsere Vision für eine begrünte und verkehrsberuhigte äußere Mariahilferstraße

VERKEHRSBERUHIGUNG IM GRÄTZEL

Wir setzen mit unseren Plänen für das Grätzel in erster Linie auf Verkehrsberuhigung. In einem ersten Schritt soll eine Begegnungszone zwischen Gürtel und Gerstnerstraße entstehen: Mit angehobener Fahrbahn, Bäumen, Sitzgelegenheiten und ausreichend Platz für alle. Die Begegnungszone bringt entspanntes Flanieren und Lebensqualität in die äußere Mariahilferstraße. Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und die Straßenbahn bewegen sich im Einklang. Es gibt Platz zum Gehen, Rollen, Sitzen und Stehen. 

„Klimaschutz und Klimaanpassung müssen nicht nebeneinander stehen. Mit der verkehrsberuhigten Mariahilfer Straße geht beides Hand in Hand: Weniger Verkehr und damit CO2, mehr Lebensqualität mit Abkühlung durch Begrünung und Entsiegelung sowie Platz für Menschen.“
Kilian Stark

Der zweite zentrale Punkt für die Umgestaltung ist die Begrünung. Menschen, Anrainer:innen und  Besucher:innen der Mariahilfer Straße gleichermaßen sollen die Straße auch in ihrer Freizeit nutzen können. In den heißen Sommern braucht es Beschattung, damit man überhaupt aus dem Haus gehen kann, denn der 15. Bezirk gehört zu jenen Bezirken, in denen die Bewohner:innen am wenigsten Wohnraum pro Kopf haben. Umso dringender braucht es einen attraktiven öffentlichen Raum, der zum Verweilen einlädt. Die Äußere Mariahilferstraße wird im neuen Glanze erblühen, wenn sie wieder den Platz den Menschen zurückgeben kann.​

BÄUME UND DAS STRASSENKLIMA

In Mikroklima-Modellen haben Forscherinnen und Forscher simuliert, wie man Städte kühlen könnte – große Bäume etwa können die Temperatur auf asphaltierten Plätzen um rund zehn Grad senken. Dieser Effekt ist deshalb so groß, weil wir weniger die Lufttemperatur spüren, sondern die Strahlungstemperatur, die an Hitzetagen, vor allem in dichtverbauten Gebieten, deutlich höher als die Lufttemperatur ist. Bäume beschatten Plätze und Straßen, diese nehmen dadurch weniger Strahlung auf und geben dann auch nachts weniger Wärme ab. Zudem verdunsten Bäume bei Hitze Wasser und kühlen dadurch auch dadurch die Umgebung. 

WIRTSCHAFT UND ARBEITSPLÄTZE IN DER STADT

Es entstehen Arbeitsplätze in Wien statt im Umland, alleine 200 im neuen Möbelhaus, und zusätzliche Impulse werden für die Geschäftsstraße rundherum geschaffen. Die Kaufkraft und die Kundenfrequenz in der äußeren Mariahilfer Straße steigt. 

„Wir wollen mit einer Begegnungszone hier beim Westbahnhof einen mutigen nächsten Schritt gehen, um dieses Gebiet klimafit und lebenswert für alle zu gestalten. Während Rot-Pink weiterhin blockiert, Chancen verpasst, Autobahnen baut und damit in ihrer Verkehrspolitik zurück in die 70-er Jahre geht, wollen wir der mit immer größerer Wucht heranrollenden Klimakatastrophe rechtzeitig begegnen.“
Peter Kraus