Gasthermen raus, saubere Wärme rein

Eine junge Frau sitzt vor einem Heizkörper

Die bevorstehende Bauordnungsnovelle muss zur Klimaschutzreform werden – wir präsentieren fünf Punkte für echten Klimaschutz und nachhaltiges Bauen.

In den nächsten Monaten soll die Bauordnung in Wien reformiert werden. Damit kann und muss die Stadt die Weichen für die Unabhängigkeit von teurem Gas und zu einer klimafitten Stadt stellen. Der wichtigste Hebel: Die Befreiung von rund einer halben Million Wienerinnen und Wiener von teuren Gas-Heizungen.

„Die Tage der Therme müssen endlich gezählt sein.“ Peter Kraus bei der Pressekonferenz zur Wiener Bauordnungsnovelle.

„Eine Bauordnung, die in Zukunft die Befreiung von fossilen Energieträgern garantiert, ist eine Chance für die Wienerinnen und Wiener. Wir können und müssen jetzt die Weichen für die Unabhängigkeit von teurem Gas und zu einer klimafitten Stadt stellen.“

Peter Kraus, Parteivorsitzender

Wien braucht Befreiungsplan für 500.000 Haushalte

Rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen in Wien ist dem Gebäudebereich zuzuordnen. Heizen, Warmwasser und Kühlung benötigen riesige Mengen an Energie. Das System ist veraltet und abhängig von fossilen, teuren Energieträgern. Heizöl- und Kohleheizungen spielen in Wien immer weniger eine Rolle. Das große Problem bleiben die Gasheizungen: Sie verursachen fast 90 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Gebäudesektor.

Trotz erster Erfolge beim Klimaschutz in den vergangenen Jahren sind die Wiener Gebäude alles andere als klimaneutral. Das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen des Gebäudesektors bis 2040 auf null zu senken, ist ernsthaft gefährdet. Die Wiener Klimaziele können nur erreicht werden, wenn sofort und konsequent Maßnahmen zum nachhaltigen Bauen und Sanieren gesetzt werden. Die Tage der Therme müssen endlich gezählt sein. 

Wir fordern klare Regeln und einen Zeitplan für den Ausstieg aus Gasheizungen in der Bauordnung. Dazu gehört ein sofortiges Verbot des Einbaus von Gasthermen im Neubau. Aber auch beim Altbau gibt es viele Hebel für den Klimaschutz: Etwa die Verordnung von Energieraumplänen für bestehende Gebäude, die festlegen, bis wann Gas- und Ölheizungen auszutauschen sind. Für größere Sanierungsvorhaben soll die Errichtung von erneuerbaren Heizsystemen ab sofort festgeschrieben werden.

„Die Zeit drängt – mit Blick auf den Klimaschutz, auf die politische Situation in Europa und auf die Geldbörse. Nur die Unabhängigkeit von Gas und Öl beim Heizen kann die Leistbarkeit von Betriebskosten langfristig wieder herstellen.“

Georg Prack, Wohnsprecher

Neben klaren Regeln für den Ausstieg aus Gasheizungen fordern wir bei der Bauordnungsnovelle:

  • Tempo bei der thermischen Sanierung: Die Stadt Wien muss thermische Sanierungen forcieren und stärker in der Bauordnung verankern.
  • Umschalten auf erneuerbaren Strom: Unter anderem mit Solaranlagen auf Einfamilienhäusern und der Errichtung weiterer Bürger:innensolarkraftwerke.
  • Hilfe gegen Hitze: Dazu zählt etwa der Schutz von Frischluftschneisen in den Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen.
  • Boden & Wasser: Schutz unserer Schätze mithilfe einer Leerstandsabgabe und der Pflicht bei größeren Bauprojekten, einen Anteil der Fläche zu entsiegeln.
Georg Prack und Peter Kraus bei der Pressekonferenz zur Bauordnungsnovelle
Georg Prack und Peter Kraus

die Fünf Forderungen im detail

1. Klare Regeln für den Ausstieg aus Gasheizungen

Mit der Verordnung von Klimaschutzgebieten haben wir in der Stadtregierung bereits wichtige Schritte in Richtung Gasverbot im Neubau auf den Weg gebracht. Nun müssen die nächsten Schritte folgen: 

  • Der Einbau von Gasthermen im Neubau soll in der Bauordnung für ganz Wien untersagt werden. Die noch fehlenden Energieraumpläne für Neubaugebiete in allen Bezirken müssen daher rasch vorgelegt werden.
  • Der Austausch aller fossilen Energieträger im Bereich der Wärmebereitstellung soll für ganz Wien vorgeschrieben werden. Die Energieraumpläne müssen daher auf den Gebäudebestand ausgeweitet werden. In den Energieraumplänen soll verordnet werden, wo wann auf erneuerbare Wärme umgestellt werden muss.
  • Die Errichtung von Gasheizungen soll auch bei größeren Sanierungsvorhaben ab sofort untersagt werden. Das verhindert sunk costs durch die Neuerrichtung fossiler Anlagen.
  • Eine Widmungskategorie für fossilfreie Energiebereitstellung soll die Nutzung der Erdwärme regeln. Es muss klargestellt werden, wer unter welchen Bedingungen die Erdwärme unter der Straße nutzen darf, die an ein Gebäude angrenzt. 

2. Tempo bei der thermischen Sanierung

Damit reduzieren wir die Energie, die wir für Wärmebereitstellung und Kühlung brauchen.

  • Die thermische Sanierung von Gebäuden soll bei umfangreichen Instandsetzungsvorhaben verpflichtendvorgesehen werden.
  • Qualitätserfordernisse bei Sanierungen müssen Energieeffizienz zum Ziel haben. Zum Beispiel muss beim Tausch von Fenstern klargestellt werden, dass der Nachweis über die Prüfung hocheffizienter Ausführungen zur Regel wird.

3. Umschalten auf erneuerbaren Strom

Mit der Solarverpflichtung im Neubau haben die wir in der Stadtregierung bereits wichtige Schritte im Bereich der erneuerbaren Stromproduktion durchgesetzt. Nun müssen weitere Maßnahmen folgen.

  • Die Ausweitung der Solarverpflichtung auch auf Einfamilienhäuser. Der Solarausbau muss auch im Bestand vorangetrieben werden. Dadurch wird bald jedes Dach dieser Stadt die erneuerbare Energie der Sonne nutzen können.
  • Die Errichtung weiterer Bürger:innensolarkraftwerke. Damit können sich die Bewohner:innen unserer Stadt am Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen.

4. Hilfe vor Hitze 

Die steigenden Temperaturen im Sommer sind bedrohlich. Um die Aufenthaltsqualität im Freien zu gewährleisten und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, muss die Stadtregierung Maßnahmen zur Kühlung der Stadt setzen.

  • Frischluftschneisen sollen in Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen unter Schutz gestellt werden. 
  • Bei allen Neubau- und Sanierungsprojekten sollen Grünraumelemente und Maßnahmen zum Hitzeschutz vorgeschrieben werden. Das kann Fassaden- und/oder Dachbegrünung sein oder ein außenliegender Sonnenschutz z. B. in Form von Rollläden.
  • Verpflichtende Baumpflanzungen im öffentlichen Raum ab einer bestimmten Straßenbreite (12,5 Meter).

5. Schutz unserer Schätze 

Wir müssen den Boden schützen und mit Wasser sorgfältiger umgehen. Mit dem Schwammstadt-Prinzip haben wir in der Stadtregierung ein wesentliches Konzept auf den Weg gebracht. Das muss jetzt ausgerollt werden.

  • Bodenversiegelung soll bekämpft werden. Das Shopping Center in Form eines Retail Parks muss der Vergangenheit angehören. Dort, wo es diese Bodenfresser gibt, sollen sie überbaut werden.
  • Eine Leerstandsabgabe soll sinnlosen Bodenverbrauch verhindern. Erbaute Wohnungen sollen als Wohnraum genutzt werden und nicht als Finanzprodukte, die leer stehen.
  • Eine Verpflichtung zur Entsiegelung eines Anteils der Fläche des Bauplatzes soll bei größeren Sanierungsvorhabenvorgeschrieben werden.
  • Der Erhalt und die Schaffung versickerungsfähiger Flächen sollen in der Bauordnung festgelegt werden. Damit soll die Nutzung von Niederschlagswässern verbessert werden.
Skip to content