Bezirke
X Schliessen
gruene.at
Navigation:
am 1. Juli

Das ist der Gewinner-Entwurf für das Denkmal an die Opfer der Homosexuellen­verfolgung in der NS-Zeit

Peter Kraus - Der britische Künstler Marc Quinn gewinnt mit seinem Entwurf den künstlerischen Wettbewerb für das Denkmal im Resselpark.

Heute wurde der Siegerentwurf für das Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden, im Wiener Resselpark präsentiert. Der britische Künstler Marc Quinn ging mit seinem Entwurf aus dem von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen und der Kunst im öffentlichen Raum Wien GmbH ausgelobten künstlerischen Wettbewerb als Gewinner hervor. Eine 16-köpfige Jury unter dem Vorsitz von Hannes Sulzenbacher hat das Projekt des Briten ausgewählt. Dem Wettbewerb ging ein großangelegter Beteiligungsprozess und fachlicher Diskurs unter breiter Beteiligung der LGBTIQ-Community, Gedenk- und Kunst-Communities voraus.

Sichtbarkeit für eine Opfergruppe, die viel zu lange unsichtbar war

Viel zu lange waren die Opfer der Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit unsichtbar. Nach vielen Jahren temporärer Projekte schafft nun das permanente Denkmal die historisch notwendige Sichtbarkeit und Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte.

„Gedenken und Erinnern heißt immer auch Mahnen für unsere gemeinsame Gegenwart und Zukunft. Diesen Anspruch greift auch die Skulptur von Marc Quinn auf und setzt damit ein starkes Zeichen gegen Gewalt, Hass und Homophobie.“
Peter Kraus
Siegerentwurf Marc Quinn
So wird das Denkmal im Resselpark aussehen

Begründung der Jury

​Laut der 2020 veröffentlichten Studie „A long way to go for LGBTI equality. Sex, sexual orientation and gender“ der Europäischen Grundrechteagentur FRA vermeiden 86 % der gleichgeschlechtlichen Paare in Europa aus Angst vor Beleidigung, Bedrohung und Gewalt, im öffentlichen Raum Hand in Hand zu gehen. In Österreich vermeiden dies 78 %. 

Marc Quinns Skulptur bildet den Moment einfachster und elementarster zwischenmenschlicher Berührungen ab. Sein Entwurf zeigt zwei Paare zärtlich aufeinander liegender Hände - einerseits von zwei Männern, andererseits von zwei Frauen. Diese Händepaare scheinen an den Handgelenken wie abgehackt und vermitteln dadurch größte Brutalität im Augenblick liebevoller Berührung. Der Entwurf reflektiert diese Ambivalenz in ästhetischer Klarheit und beeindruckt sowohl auf intellektueller wie auch auf emotionaler Ebene. Durch die verspiegelten Schnittflächen der Handgelenke und der Tischplatte wird der/die Betrachter/in Teil des Kunstwerks und kommt nicht umhin, sich mit den dargestellten Thematiken der gleichgeschlechtlichen Liebe und ihrer Verfolgung auseinander zu setzen. Diese klare Ikonographie überzeugte die Jury.

Die Auslobung des Wettbewerbs

2017 organisierte die WASt gemeinsam mit der KÖR einen breiten Beteiligungsprozess in Form zweier Open Spaces, um die Anforderungen und Details für die Wettbewerbsauslobung gemeinsam mit VertreterInnen der LGBTIQ-, Kunst- und Gedenk-Communities zu erarbeiten. Im selben Jahr vergab die WASt an das Zentrum für queere Geschichte QWIEN den Auftrag zur Erstellung einer Studie zur NS-Verfolgung von LGBTIQ-Personen als weitere Grundlage für die Auslobung eines Wettbewerbs für ein Denkmal.

Anfang 2020 lobten die KÖR und die WASt einen einstufigen, geladenen künstlerischen Realisierungswettbewerb zur Erlangung eines Entwurfs für das "Denkmal für Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden" im Wiener Resselpark aus, das von der Stadt Wien errichtet und erhalten wird. 

Das Projekt wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich unterstützt und als Gesamtbudget stehen für den Wettbewerb und die Realisierung des Siegerentwurfs € 300.000 zur Verfügung.​