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am 17. März

Konzeptförderung 2018 – 2021: Empfehlungen der Wiener Theaterjury

Martin Margulies - Die Schwerpunktsetzung: Impulse für freies Sprechtheater, Tanz- und Performance, genreübergreifende und niederschwellige Projekte und Kunstschaffen jenseits des Zentrums.

Die Konzeptförderung soll Planungssicherheit für die Kulturschaffenden gewährleisten. Der Anspruch muss alle vier Jahre durch neue Konzepte überprüft und bewertet werden, wodurch Chancengleichheit für neue Gruppierungen bzw. neue ästhetische Entwicklungen geschaffen wird. Die Jury wird alle vier Jahre neu bestellt.

Die vierjährige Konzeptförderung ist eine tragende Säule der Wiener Theaterlandschaft und zugleich ein wichtiges Instrument, um die freie Theaterarbeit in Wien lebendig zu halten. Nun wurden die Empfehlungen für die nächsten Vierjahresförderungen von 2018 bis 2021 bekannt gegeben.

Insgesamt haben 61 Häuser und Freie Gruppen ihre Konzepte für die Genres Sprechtheater, Performance, Tanz, Musiktheater, Theater für junges Publikum, Figurentheater sowie für interdisziplinäre und inklusive Projekte bei der Wiener Theaterjury eingereicht. Mehr als die Hälfte der Einreichungen haben eine Förderempfehlung erhalten, für vier Freie Gruppen und Häuser ist es erstmalig eine 4-Jahresförderung.

Die Theaterjury (Genia Enzelberger, Doris Happl, Christina Kaindl-Hönig, Matthias Lošek und Stephan Rabl) empfiehlt in ihrem Gutachten, vorhandene Stärken innerhalb der Freien Theaterarbeit zu stärken:

1. Stärkung des Freien Sprechtheaters

Im Freien Sprechtheater beginnen sich wieder kleine Ensembles zu bilden, denen es gelingt, ein Publikum an sich zu binden, wozu auch längere Spielserien und Wiederaufnahmen beitragen können. Diesem Trend soll mehr Raum gegeben werden, weshalb wird eine Weiterentwicklung des bestehenden Spielstättenverbundes WerkX angestrebt wird. Die Spielstätte am Petersplatz wird künftig unter einer neuen autonomen kuratorisch/ dramaturgischen Leitung in erster Linie Freien Sprechtheatergruppen zur Verfügung stehen.

Freien Gruppen fällt es oft schwer, einen leistbaren, passenden und betreuten Raum zu finden. Diesem Grundbedürfnis kommt ein offenes Theaterhaus entgegen. Wir schaffen einen Raum für Menschen mit unterschiedlichen Bühnen-Hintergründen und Theaterbegriffen, und verbessern die Sichtbarkeit der vielfältigen Theaterformen.
​Martin Margulies


Mit dem „Aktionstheater Wien“ unter der Leitung von Regisseur Martin Gruber und Dramaturg Martin Ojster wurde auch eine neue Sprechtheatergruppe in die Konzeptförderschiene aufgenommen. Das erfolgreiche Ensemble überzeugte die Jury nicht nur durch sehr gute Auslastungszahlen, junge Publikumsschichten und einem intensiven Austausch mit den Bundesländern, sondern auch mit seinem Konzept, politische Veränderungen mit den Mitteln des Sprechtheaters zeitnah zu reflektieren und dabei die gesellschaftliche Gegenwart unter die Lupe zu nehmen.

2. Stärkung der Tanzszene

Eine Aufwertung durch die Jury erfährt die Gruppe "insert". Ihre Protagonistin Doris Uhlich zählt zu den wichtigsten österreichischen Choreographinnen und ist mit ihren Produktionen national wie international sehr präsent. Durch ihre Arbeit mit Profis, Studierenden, älteren Personen, Laien und Menschen mit Beeinträchtigung gelingt es ihr, breite Publikumsschichten anzusprechen und für den Tanz zu interessieren.

3. Stärkung der Performance-Szene – Kunstschaffen jenseits des Zentrums

Um die intensive Entwicklung der Wiener Performance-Szene der letzten Jahre gezielt zu unterstützen, wird die Gruppe „nadaproductions“ unter der Leitung von Amanda Piña (Tänzerin und Choreographin) und Daniel Zimmermann (bildender Künstler und Filmemacher) erstmals für eine 4-Jahresförderung empfohlen. Für die Performance-Szene von immer größerer Bedeutung ist dabei ihr nadaLokal in Rudolfsheim-Fünfhaus: Ein Off-Space, in dem lokale und internationale KünstlerInnen ihre transdisziplinären Arbeiten entwickeln, diskutieren und öffentlich präsentieren können, wo Residenz- und günstige Proben-Möglichkeiten geboten werden.

Auch das experimentelle Performance-Kollektiv God's Entertainment um Boris Ceko, Maja Degirmendzic und Simon Steinhauer erhält erstmals eine Konzeptförderung. God's Entertainment steht für innovatives, politisches Theater an der Schnittstelle zwischen Performance, Happening, Visual-Art und Sound. Charakteristisch für ihre Arbeit ist das Prinzip der Zuschauerpartizipation, die Realisierung von Projekten im öffentlichen Raum und Spontanität. Das Kollektiv ist mit ihren Projekten an den wichtigsten Spielstätten in Berlin, Hamburg, Zürich präsent.

4. Starke Positionen – genreübergreifend und niederschwellig

Angesichts der raschen Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen in Wien regt die Theaterjury eine genreübergreifende Erweiterung der künstlerischen Arbeit an soziokulturellen Projekten an. Dezentrale Räume, offene Workspaces, die verstärkte Interaktion mit der Bevölkerung sowie stärkere Kulturvermittlungs- und Stadtprojekte fördern einen ästhetischen Diskurs und sprechen neue Publikumsschichten an.

Diesen Anspruch erfüllt das interdisziplinäre Kollektiv Theater Ansicht, bestehend aus Flo Staffelmayr, Christina Rauchbauer und Julia Meinx. Ihr qualitativ hoher und dabei niederschwelliger Ansatz in der Beschäftigung mit gesellschaftspolitischen Themen in Form von Bewegungs-, Tanz- und Schreibworkshops sowie Research-Projekten an Schulen hat die Jury nachhaltig überzeugt. Für die kontinuierliche Entwicklung wird daher erstmals eine 4-Jahresförderung empfohlen.

Alle Empfehlungen im Überblick:

  • Schauspiel: Aktionstheater Wien (neu), Theater Drachengasse, Rabenhof Theater (Kitsch & Kontor – Theaterverein), Theaterverein Toxic Dreams, Theater Nestroyhof Hamakom (Verein Transit), Theater am Petersplatz, WERK X /Kabelwerk
  • Musiktheater: Netzzeit, Neue Oper Wien, sirene Operntheater, Wiener Taschenoper
  • Tanz: Insert (Doris Uhlich), liquid loft (Chris Haring), SALTO (Willi Dorner)
  • Performance: nadaproductions (neu), God's Entertainment (neu), WUK performing arts
  • Figurentheater: Kabinetttheater, Theater Lilarum
  • Theater für junges Publikum: szene bunte wähne, schallundrauch agency (TANZART), Theaterverein Ansicht (neu)
  • Interdisziplinäre Projekte: diverCITYLAB, Caritas Brunnenpassage, MAD (danceability)
  • 2-Jahresförderung: Theatercombinat (Claudia Bosse), SECOND NATURE (Christine Gaigg), DANS.KIAS (Sakia Hölbling), Schubert Theater, Wiener Tanz- und Kunstbewegung (Anne Juren, Roland Rauschmeier), Musiktheatertage Wien

Neuerungen in der Arbeit der Jury

Die Jury war knapp ein Jahr (März 2016 bis Februar 2017) mit der Sichtung, Diskussion und Beurteilung der eingereichten Anträge, Aufführungsbesuchen, Besuchen von Theater- und Proberäumen, etc. befasst und traf in diesem Zeitraum 95 Prozent der AntragstellerInnen auch zu einem persönlichen Gespräch. Dieses Novum stieß innerhalb der Freien Szene auf sehr positives Feedback.

Erstmals gab es auch eine Zusammenarbeit der Theaterjury mit dem Kuratorium für Tanz, Theater und Performance. So wurden etwa Konzepteinreichungen, die keine Empfehlung für eine 4-Jahresförderung durch die Jury erhielten, gemeinsam mit dem Kuratorium erneut geprüft und daraufhin zum Teil für eine 2-Jahresförderung empfohlen. Auf diese Weise konnte das bürokratische Prozedere für die FörderwerberInnen vereinfacht und verkürzt werden.