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am 29. Juni

5 Punkte-Plan gegen den Hitzesommer

Peter Kraus, Huem Otero García - Grüne Wien präsentieren Hitzeaktionsplan

Hitze hat immense gesundheitliche und soziale Auswirkungen. Am schwersten trifft es die Schwächsten in unserer Gesellschaft: Säuglinge, Kinder, Schwangere, Ältere, chronisch Kranke, Wohnungslose, weniger mobile Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Besonders gefährdet sind auch Menschen, die an Hitzeinseln leben, das sind in der Regel Personen mit geringerem Einkommen. Es braucht jetzt akute Maßnahmen, um diese besonders gefährdeten Gruppen zu schützen. Die Grünen haben unter Rot-Grün in Wien die Hitzekarte auf den Weg gebracht, aus der hervorgeht, wo die Hitze-Hot Spots in der Stadt sind und wo besonders vulnerable Menschen leben.

Die Zahl der Hitzetoten überschritt in Österreich schon 2018 die Zahl der Straßenverkehrs-toten: Es gab 550 Hitzetote (Hitze-assoziierte Übersterblichkeit im Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES), während im Straßenverkehr 409 Menschen starben. Auch heuer ist wieder mit ähnlich hoher Anzahl an Hitzetoten zu rechnen.

„Ein Hitzesommer ist eine direkte Auswirkung der Klimakrise. Gleichzeitig ist er für viele Menschen eine Belastung und ein gesundheitliches Risiko. Wien ist davon besonders betroffen, die Stadtregierung kann dabei nicht zuschauen. Es fehlt an Tempo und Innovation. Kurzfristig braucht es Erfrischungs- und Erholungsmaßnahmen. Langfristig muss Rot-Pink endlich den Vorwärtsgang einlegen: Raus aus dem Beton und Asphalt der Stadtautobahn, der Markthalle und der Praterstraße, rein in ein Wien in dem 2030 der Klimaschutz an erster Stelle steht.“
Peter Kraus, Grüner Klima-Stadtrat

Hitzesommer steht bevor – Ältere, Kranke und Kinder leiden am meisten

​Heuer steht uns entsprechend der Prognose der ZAMG wieder ein massiver Hitzesommer bevor. Die erste Hitzewelle macht nur eine kurze Unterbrechung und hat uns im Juni bis zum 23. Juni schon sieben Hitzetage beschert. Die durchschnittliche Anzahl der Hitzetage war in den Jahren 1991 bis 2020 4,1 und in den Jahren 1961 bis 1990 1,2.

Für die Gesundheitsbelastung sind lang andauernde Hitzewellen ein riesiges Problem. Durch die Klimakatastrophe steigt nicht nur die Anzahl der Hitzetage, sondern auch ihre durchschnittliche Dauer. Die Wohnungen werden immer heißer, durch die hohen Temperaturen in der Nacht gibt es auch dann keine Abkühlung mehr.

Die von der Stadt Wien vorgestellten Maßnahmen gegen die Hitze sind wichtig und stellen eine Verbesserung der Lebensqualität für viele dar. Allerdings lässt das Angebot von „Cooles Wien“ die Schwächsten Außen vor: Ältere, weniger mobile Menschen, Kranke aber auch Menschen mit Behinderung, Schwangere oder (Klein-)Kinder können die meisten Angebote gar nicht wahrnehmen oder haben einen erschwerten Zugang dazu.

„Was haben alte Menschen von Nebelduschen, Trink-Giganten oder Coolen Stelen, wenn sie sich vor lauter Hitze gar nicht alleine auf die Straße trauen, um Hitzehotspots zu überqueren. Für Menschen mit Kleinkindern oder Schwangere sind Wartezeiten, etwa vor Schwimmbädern, von 30 Minuten in der brütenden Hitze eine Zumutung.“
Huem Otero García, Umweltsprecherin Grüne Wien
Die Grünen Wien präsentieren einen Wiener Akut-Hitzeaktionsplan

für die besonders betroffenen Menschen. Denn die Menschen, die heute von der Hitze betroffen sind, können nicht warten, bis die Bäume, die wir gepflanzt haben, genug Schatten spenden.

Die 5 Punkte des Wiener-Akut-Hitzeaktionsplans​:

  1. Klimaoasen mit sozialer Betreuung
  2. Ganzjähriges Angebot für Wohnungslose
  3. Wiener Bäder: Fast Lanes, Beschattung aller "Wartezonen" und gratis Eintritt
  4. Coole Straßen, Bildungseinrichtungen und Altersheime
  5. Hitzeservice: Informationskampagne mit Hitzehotline und Abholservice

Klimaoasen:

  • Wien braucht Klimaoasen zur Betreuung von (älteren) Menschen in Parks und kühlen Räumen. Derartige Projekte werden beispielsweise von der Caritas durchgeführt. Das sind vorbildliche Projekte, denn dabei geht es nicht nur darum, kühle Wohlfühlorte zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Einsamkeit zu bekämpfen. Hitzesommer machen einsam und Einsamkeit macht noch kränker als es die Hitze sowieso schon tut. Die Stadt Wien muss das Angebot derartiger Klimaoasen mit sozialen Einrichtungen stark ausbauen und bewerben. Mit einem Abholservice, das über die Hitzehotline organisiert wird, können mobilitäseingeschränkte Menschen an die Klimaoasen gebracht werden.
  • Die Stadt Wien muss auch unbetreute Klimaoasen in Parks ermöglichen. Dazu ist es notwendig vermehrt Sitzgelegenheiten und Tische an beschatteten Orten in den Parks in Wien aufzustellen. Gerade für ältere und mobilitätseingeschränkte Personen kommt das klassische Picknick nicht in Frage, denn es ist ihnen nicht möglich, auf dem Boden zu sitzen. Auch Kindersandkisten auf Spielplätzen müssen beschattet werden.

Ganzjähriges Angebot für Wohnungslose

  • Im Rahmen des FSW-Winterpaketes wird das Platzangebot der Wiener Wohnungslosenhilfe für wohnungslose Menschen erweitert. Zwischen 28. Oktober 2020 und 28. April 2021 wurden 900 zusätzliche Plätze in Notquartieren sowie drei Wärmestuben zur Verfügung gestellt. Ergänzend steht das Kältetelefon für aufsuchende Sozialarbeit sowie temporäre Wärmestuben im ganzen Stadtgebiet zur Verfügung. Diese wichtigen Unterstützungsmaßnahmen wurden aufgrund der COVID-19 Pandemie im Jahr 2020 zumindest teilweise ganzjährig zur Verfügung gestellt.
  • Wohnungslose Menschen brauchen während der extremen Hitze Räume, in denen sie sich ausruhen können und waschen und frisch machen können. Daher fordern wir, dass die Tageszentren und Notquartiere ganzjährig geöffnet sind, denn extreme Hitze ist genauso bedrohlich wie extreme Kälte.

Wiener Bäder:

  • Hitze Fast Lanes. Nicht selten muss, um Abkühlung zu erlangen, in Hitzehotspots in der prallen Sonne gewartet werden. Wir denken dabei z.B. an die Warteschlangen vor den Wiener Bädern. Überall dort, wo es solche Warteschlangen im Freien gibt, müssen Fast Lanes für besonders betroffene Personen eingerichtet werden: Schwangere, Badegäste mit Säuglingen oder Kleinkindern, Ältere, chronisch Kranke (z.B. Menschen mit Herz- oder Atemwegserkrankungen) und mobilitätseingeschränkte Personen.
  • Außerdem müssen alle derartige Wartebereiche ausreichend beschattet werden. Langfristig müssen Bäume gepflanzt werden, als Akutmaßnahme können Sonnensegel oder mobile Bäume zum Einsatz kommen.
  • Wir fordern einen Gratis-Eintritt für die Wiener Bäder für Jugendliche und besonders gefährdete Gruppen.

Coole Straßen, Bildungseinrichtungen und Altersheime:

  • Die „Coolen Straßen” sollen weitergeführt und ausgeweitet werden. Das Konzept, bei dem ganze Straßen für die Menschen vom Verkehr freigehalten und mit Abkühlungsmöglichkeiten belebt wurden, hat sich im letzten Sommer sehr bewährt. Die Abkühlung soll zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt, daher ist es wichtig Orte abzukühlen, die die Menschen im Alltag frequentieren. Das betrifft z.B. Haltestellenbereiche des öffentlichen Verkehrs. Viele Schulen und Kindergärten haben einen überhitzten Innenhof oder Vorplatz, das gleiche gilt für Altersheime. Diese Orte sollen mit verschiedenen Mitteln, etwa Sprühnebeln, abgekühlt werden. ​

Hitzeservice:

  • Die Stadt Wien startet eine Informationskampagne, um Menschen mit Tipps zum gesundheitsrelevanten Verhalten während Hitzeperioden auszustatten. Es ist darauf bedacht zu nehmen, dass besondere Zielgruppen über unterschiedliche Kanäle erreicht werden. Eine Zusammenarbeit zwischen der MA11 und Frauen- und Kinderärzt*innen wird angestrebt, um Eltern und werdende Eltern über Maßnahmen zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern vor der Hitze zu informieren. Der Wiener Hitzeratgeber muss neu aufgelegt werden und soll ebenfalls Teil des Informationsmaterials des Wickelrucksacks werden, der von der Stadt Wien an werdende Eltern übergeben wird.
  • Wien braucht eine Hitzehotline. Betroffene können sich zur Beratung an diese wenden z.B. um Informationen zum gesundheitsrelevanten Verhalten (Ernährung und Trinken, Fortbewegung im Freien, Gestaltung des Wohnraums) oder zu Angeboten des coolen Wiens abzufragen und um Vorschläge zur Gestaltung des öffentlichen Raums in der Wohnumgebung einzubringen. Wir begrüßen, dass es die App „cooles Wien“ gibt, allerdings gibt es viele Menschen, insbesondere Ältere, die auf anderem Weg erreicht werden müssen, da ihnen die digitale Kompetenz fehlt, um diese wichtigen Informationen abrufen zu können. Außerdem ist die Hitzehotline erster Ansprechpartner für das Abholservice.
  • Die Stadt Wien schafft einen Abholservice, damit Menschen, die es brauchen, zu kühlen Orten gelangen können. Über den Abholservice gibt es an Hitzetagen Fahrten ins Grüne oder in nahegelegene Parks zu Klimaoasen. ​