Julia Malle

Landtagsabgeordnete
Sprecherin für Bildung und Wissenschaft

„Bildung wird nach wie vor vererbt. Das ist ein Dilemma, das bislang nicht gelöst wurde.“

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mein thema:
BILDUNGSPOLITIK

Die größten herausforderungen im BildungsBEREICH?

Du bist Lehrerin. Wie gehen die Kinder an deiner Schule mit den Herausforderungen von Corona um?
Im 3. Jahr der Pandemie stellt sich – genauso wie bei den meisten Erwachsenen – eine große Pandemiemüdigkeit ein. Die jungen Leute mussten auf vieles verzichten, was für viele in dem Alter selbstverständlich war. Ich bewundere die Schüler:innen, die unter widrigen Umständen Großartiges leisten. Der Fokus muss jetzt auf ihrem Wohlbefinden liegen.

Was sind die derzeit größten Herausforderungen im Bildungssystem? Und was läuft in Wien alles falsch – bzw. was machen wir Grüne besser?
Die Pandemie hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Schere zwischen bildungsbenachteiligten Schüler:innen und solchen, die es leichter haben, weiter aufgegangen ist. Auch die psychosozialen Herausforderungen sind größer geworden. Darauf muss reagiert werden.

In Wien sieht man sehr gut, dass nicht überall Bildung drin ist, wo Bildung draufsteht. Die SPÖ will am liebsten gar nichts ändern, und die Neos haben den Kindern im ersten Jahr ihrer Regierungsbeteiligung die Flügel gestutzt. Sie haben eine Reform in die Wege geleitet, die dazu geführt hat, dass Schulen Stunden und Lehrer:innen verloren haben und jahrzehntelange reformpädagogische Arbeit sowie Inklusion erschwert wurde. Das hätte es mit uns Grünen ganz sicher nicht gegeben! Wir wollen eine gerechte und transparente Reform nach Chancenindex, ein inklusives Bildungssystem, Schulsozialarbeit an jeder Schule, die Entpolitisierung bei der Direktor:innenbestellung, klimafitte Schulvorplätze, aber ganz sicher nicht, dass manche Kinder gewinnen und manche verlieren, wie es Bildungsstadtrat Wiederkehr ausdrückt.

Auch der elementarpädagogische Bereich ist eine riesengroße Baustelle. Da fordern wir kleinere Gruppen, einen besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel, qualifiziertes Unterstützungspersonal, mehr Vorbereitungsstunden für Pädagog:innen sowie eine faire Bezahlung. Dazu kommt natürlich ein Corona-Testsystem im Kindergarten mittels Lollipop-Tests, das bis heute nicht existiert.

MEIN ANTRIEB, POLITIKERIN ZU WERDEN

Warum bist du Politikerin geworden?
Mein Vater war Kärntner Lokalpolitiker und hat mir schon als kleines Kind das Parteiensystem Österreichs erklärt – das fand ich wahnsinnig spannend! Als ich älter wurde, haben die Zustände der Kärntner FPÖ ihr Übriges dazu beigetragen. Jörg Haider hat mich absurderweise politisiert.

Warum macht es Spaß, Politikerin zu sein?
Es ist ein Privileg, für die eigene Überzeugung hauptberuflich eintreten zu dürfen. Mich begeistert, dass ich viele spannende Menschen treffe, die inhaltlich gute Inputs geben und deine eigene Meinung immer wieder herausfordern. Ich muss aber auch feststellen: Ein bisschen mehr Humor würde in der Politik grundsätzlich nicht schaden.

Ist es manchmal auch frustrierend?
Sitzungen im Gemeinderat, die 15 Stunden und länger dauern und dennoch kaum Diskurs zulassen, lassen die Politik nicht immer in einem guten Licht dastehen. Da braucht man durchaus ein gewisses Frustrationspotential. Wenn man dann aber gute Ergebnisse erreicht, ist es das wert.

In der Politik muss man Kompromisse schließen, fällt dir das schwer?
Kommt darauf an, mit wem. Grundsätzlich aber ja, sonst wäre ich wahrscheinlich fehl am Platz.

Was wolltest du als Kind werden? 
Es ist vielleicht ein bisschen unheimlich für ein Volksschulkind, aber Deutschlehrerin. Ich bin es dann tatsächlich auch geworden und bin es immer noch sehr gerne 😉

DIE ZUKUNFT AUS
MEINER PERSPEKTIVE

DIE GRÖSSTEN Probleme
unserer Zeit?

Im Bildungssystem haben wir auch im Jahr 2022 noch immer ein selektives Schulsystem und die viel zu frühe Trennung der Kinder mit 10 Jahren, die meistens über ihre weitere Laufbahn entscheidet. Bildung wird nach wie vor vererbt und das ist ein Dilemma, das bislang nicht gelöst wurde, weil die konservativen Kräfte in unserem Land, die die Differenz begrüßen, noch zu stark sind.

Im Klimaschutzbereich fehlt global betrachtet faktenorientierte Politik und entschlossenes Handeln. Das größte Problem bringt Greta Thunberg in drei Worten auf den Punkt: „Bla, bla, bla.“

Mein persönliches Problem ist, dass die Schule nach wie vor zu früh am Morgen beginnt, der Tag nur 24 Stunden hat und dass es in Wien zu wenig Padel-Tennisplätze gibt.

GROSSARTIGE DINGE AUS
ANDEREN METROPOLEN?

Was sind die drei großartigsten Dinge, die wir aus New York, London, Paris, Barcelona, Belgrad, Berlin oder aus einer anderen Metropole dringend nach Wien bringen müssen?

Schulfächer wie Herausforderung und Verantwortung, wie sie an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum gelehrt werden. Unser Fächerkanon ist über 100 Jahre alt und der unserer Urgroßeltern.

Das kostenlose Schulessen für alle Kinder aus Kopenhagen, das frisch und zu 90 % bio ist. Die Schüler:innen kochen es sogar mit Hilfe von Schulköch:innen oft auch selbst. Essen ist politisch.

Die Freundlichkeit vieler anderer Städte. Der sogenannte Wiener Grant mag zwar irgendwie zum Markenzeichen geworden sein, aber er ist nicht immer charmant.

WIE SIEHT das Wien
deiner Träume AUS?

Im Wien meiner Träume ist die nächste Schule und der nächste Kindergarten immer die beste Wahl. Es entscheidet sich nicht mit 10, welcher Weg für dich vorgesehen ist.

Im Wien meiner Träume ist die Innenstadt autofrei und auch sonst alles verkehrsberuhigt. Der öffentliche Verkehr ist weiter ausgebaut, alle Schulvorplätze sind zum Spielen da.

Im Wien meiner Träume sind die Leute etwas freundlicher zueinander und schenken sich in der U-Bahn auch mal ein Lächeln.

wird 2022 ein gutes Jahr
für die Grünen?

Solange wir eine grüne Klimaschutzministerin haben, kann es nur ein gutes werden.

ICH PRIVAT

Welche Hobbies hast du?
Reisen, Snowboarden, und seit neuestem habe ich mit Paddle-Tennis begonnen, eine Trendsportart aus Spanien, für die es in Wien leider viel zu wenig Plätze gibt.

Deine Lieblingsbuchhandlung? Dein Lieblingsgeschäft? Dein Lieblingslokal?
Bücher kaufe ich gerne bei Anna Jeller, in der Margartenstraße, im 4. Bezirk, ein toll sortierter Laden, in dem Ruhe herrscht. Das braucht man neben Schule und Politik hin und wieder ;).
Einkaufen gehe ich gerne überall dort, wo ich meiner Italophilie nachgehen kann. Mein Lieblingslokal ist das Erdgeschoss in der Schottenfeldgasse, weil es so herrlich bodenständig ist.

Wer ist dein Vorbild?
Die ehemalige US-Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg.

Worüber kannst du lachen?
Über die genialsten Ausreden und lustigsten Sprüche meiner Schüler:innen. Diese werden von Jahr zu Jahr kreativer 😊

Was ist das politisch unkorrekteste, das du je gemacht hast?
Ich erinnere mich peinlich berührt an jene Situation zurück, als ich im Alter von 10 meinen Werklehrer vor der Klasse auf seine Berufswahl angesprochen habe, weil ich es nicht verstanden habe, dass Männer textiles Werken unterrichten können. Mein Genderbewusstsein war damals leider noch nicht besonders ausgeprägt.

Julia Malle

Geboren 1983 in Villach

Grüne Bildungssprecherin
AHS-Lehrerin, Uni-Lektorin
Grüner Bildungs-Channel auf Telegram:
t.me/teambildung

Pressefotos

Pressefoto Julia Malle

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