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am 15. Februar 2012

Wiener Watchgroup gegen sexistische Werbung

Martina Wurzer - Sexistische Werbung ist keine Frage des Geschmacks oder der Ästhetik. Wir präsentieren unser rot-grünes Regierungsprojekt für eine Stadt ohne Sexismus.

Auf www.werbewatchgroup-wien.at können WienerInnen Beschwerden gegen sexistische Werbung einlegen. Eine ExpertInnengruppe bewertet anschließend auf der Basis eines ausführlichen Kriterienkatalogs, ob das Inserat, das Plakat, der Werbespot oder die Radiowerbung sexistisch ist und veröffentlicht die Bewertung auf der Website.

Rot-grünes Regierungsprojekt für eine Stadt ohne Sexismus

Tagtäglich begegnen uns an jeder Straßenecke, in jedem Magazin und im Fernsehen sexistische Abbildungen von Frauen. Diese Abbildungen prägen unsere Vorstellungen von Frauen und Männern. Frauen und ihre Körper werden dabei als sexualisiertes Werbemittel eingesetzt, Rollenbilder und Geschlechterklischees werden verstärkt und Gewalt gegen Frauen verharmlost. Diese Bilder werden in den alltäglichen Umgang zwischen den Geschlechtern übertragen. Sexistische Werbung ist deswegen keine Frage des Geschmacks oder der Ästhetik, sondern hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Wir wollen in Wien stereotype Rollenbilder aufbrechen. Wir schaffen ein Umfeld, das Mädchen fördert und unterstützt - beim Hinterfragen und Umwerfen gängiger Geschlechtsrollenbilder und bei der Eroberung bisheriger Männerdomänen.

Rot-Grün fordert ein gesetzliches Verbot

Werbung, die Frauen (und Männer) herabwürdigt, sich Rollenklischees bedient und Menschen auf Objekte reduziert, hat in einer Gesellschaft, die um Gleichstellung bemüht ist, nichts verloren. Es muss selbstverständlich werden, dass mit Frauenfeindlichkeit kein Geld gemacht werden darf. Die Würde von Frauen zu verletzen ist weder ein Kavaliersdelikt noch gesellschaftlicher Konsens. Gemeinsam mit der Wiener Watchgroup wollen wir sexistische Werbung aus Wiens Straßen und Medien verbannen. Dafür braucht es aber ein bundesgesetzliches Verbot, für das sich die Stadt Wien weiterhin einsetzen wird.

Watchgroup bewertet nach ausführlichem Kriterienkatalog

Gemeinsam mit der Grazer Watchgroup haben wir einen ausführlichen Kriterienkatalog erarbeitet, ab wann eine Werbung als sexistisch einzustufen ist. Dieser umfasst traditionelle Geschlechterklischees und sexualisierte Darstellungen, die vor allem Frauen betreffen. Sexismus ist ein gesellschaftliches Phänomen, das natürlich auch Männer, als Models, als Medienmacher, als Konsumenten mit einschließt. Daher besteht das ExpertInnenteam im Auftrag der Stadt Wien auch aus Männern und Frauen, die im Bereich Geschlechter- und Medienrepräsentation kompetent sind. Der Katalog ist online auf www.werbewatchgroup-wien.at jederzeit abrufbar und zeigt durch aktuelle Beispiele die Bandbreite an sexistischen Sujets. Die Bewertungen laufen nach einem qualitätsgesicherten Verfahren ab, denn die Nachvollziehbarkeit und die Qualität der Bewertungen haben größte Priorität. Wir erwarten uns eine rege BürgerInnenbeteiligung. Durch eine aktive Öffentlichkeit kann eine branchenübergreifende Trendwende in der Werbung bei KonsumentInnen, bei MedienmacherInnen und bei Kreativen ankommen.

Wer ist in der Werbewatchgroup?

Die Werbewatchgroup Wien besteht aus ausgewiesenen Expertinnen und Experten im Bereich Gender/Sexismus innerhalb der Stadtverwaltung sowie unabhängigen, externen Expertinnen und Experten. Koordiniert wird sie von der Frauenabteilung der Stadt Wien.

Was macht die Werbewatchgroup Wien?

  • Die Beobachtung der Wiener Werbelandschaft und die Bewertung von Werbungen anhand definierter Kriterien. Dazu haben alle BürgerInnen auch die Möglichkeit sexistische Werbungen zu melden.
  • Fundierte Beurteilung von Werbungen, die in Wien sichtbar sind (Plakat, Wurf­sendungen, Zeitung, TV-Spots, Radio, Internet) anhand definierter Kriterien.
  • Entwicklung von Empfehlungen für Präventionsarbeit. Dabei soll ein Austausch mit Unternehmen und Institutionen, die mit Werbung zu tun haben, stattfinden.

Kooperation

Die Werbewatchgroup Wien kooperiert mit der Grazer und Salzburger Watchgroup gegen sexistische Werbung. Die Grazer Kriterien wurden zum Großteil übernommen, zum Teil gemeinsam adaptiert und weiterentwickelt.

Arbeitsweise

Die Werbewatchgroup Wien trifft sich regelmäßig, um Beschwerden und Entscheidungen zu besprechen sowie weitere Schritte betreffend Qualitätssicherung und Präventionsarbeit zu planen.

Einlangende Beschwerden werden von den Expertinnen und Experten der Werbewatchgroup Wien anhand des umfangreichen Kriterienkatalogs bewertet. Nach einem qualitätsgesicherten Abstimmungsprozess wird die Entscheidung online gestellt. In Fällen einer möglichen Befangenheit wird eine Beschwerde zur Bewertung an die ExpertInnen der Grazer Watchgroup gegen sexistische Werbung oder der Salzburger Watchgroup gegen sexistische Werbung weitergeleitet, die nach denselben Kriterien beurteilen. Dadurch ist für jede einzelne Bewertung volle Objektivität gewährleistet. Bewertet werden können nur Werbungen, die im Raum Wien zugänglich sind und von denen Bilder, Videos oder Links zur Verfügung gestellt werden.

Forderungen und Ziele

Bundesweites Verbot sexistischer Werbung als eine grundsatzpolitische Entscheidung, dass diskriminierende Werbung nicht akzeptiert oder toleriert wird.

  • In einer solchen bundesgesetzlichen Regelung soll die Definition von „sexistisch“ anhand existierender Kriterienkataloge aus der Frauen- und Geschlechterforschung erfolgen.
  • Das Verbot soll sich nicht auf Wirtschaftswerbung beschränken, sondern alle Werbebereiche und Medien umfassen, wobei der Kontext in dem die Werbung platziert wird berücksichtigt werden muss.
  • Die Sanktion für eine Verletzung des Verbots sollte so ausgestaltet sein, dass es sich jedenfalls – insbesondere für große Unternehmen – nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen „lohnen“ darf, trotz Strafandrohung sexistische Werbemaßnahmen zu setzen.
  • Eine gesetzliche Regelungen mit entsprechenden Sanktions- und Kontrollmöglichkeit, verankert im Gleichbehandlungsgesetz – wie etwa in Island, Kroatien oder in Norwegen geplant – wäre eine Lösung, die (präventiven) Schutz und Rechtssicherheit bietet.
  • Eine solche Regelung sollte zusätzlich auch das Verbot der Diskriminierung aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Herkunft, Zugehörigkeit zu einer sonstigen Minderheit, sexueller Orientierung, Alter, Behinderung oder Krankheit, Armut sowie eventuell weiterer Diskriminierungskategorien enthalten, da abwertende und diskriminierende Werbebotschaften in diesen Bereichen ebenfalls eklatant negative gesellschaftliche Auswirkungen haben.

Ausstellung « Beauty Contest »

„La beauté n’est que la promesse du bonheur.“ („Die Schönheit ist nichts weiter als das Versprechen von Glück.“) Stendhals Versprechen von Glück erklärt, warum alle Welt der Schönheit dient, sie für sich selbst zu erwerben versucht und als Sehnsucht nach der Vollkommenheit einer Erscheinung versteht, die von kulturellen Parametern beeinflusst ist.

BEAUTY CONTEST – ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des MUSA und des Austrian Cultural Forum New York – vereint Positionen internationaler KünstlerInnen, die das Streben des Menschen nach der Schönheit fokussieren. Dabei wird rasch deutlich, dass die Begriffe Geschlecht, Alter, Rasse, Status und Macht eine wesentliche Rolle in der kulturellen Konstruktion von Schönheit spielen. Die Schönheit an sich mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen und Implikationen, die sie im Lauf der Menschheitsgeschichte annahm, bildet für uns den kulturellen Fond, vor dem zeitgenössische KünstlerInnen sich auf sehr unterschiedlichen Wegen diesem stets aktuellen Thema nähern und sich zu Schönheitsdiktaten, Fashion-Metropolen und medialen Inszenierungen der Eitelkeit verhalten. Vielfach werden überkommene Konventionen durch neue persönliche Entwürfe ersetzt.

So sehr auch unser Alltag vom allgegenwärtigen Schönheitsdiktat bestimmt ist, vermag das Individuum dennoch seine Freiheit zu wahren und verfügt über eine größere Definitions­macht als je zuvor. Es liegt an uns, das Phänomen der Schönheit mit Gehalt zu füllen.