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am 29. November 2013

Prostitution: Warum wir uns für Rechte einsetzen und nicht für Verbote

Birgit Hebein - Kriminalisierung ist keine Lösung.

Die Diskussion ist nicht neu und ihre Wortführenden finden sich mitunter in zweifelhaften Allianzen. Regelmäßig wird – wie kürzlich in Deutschland von Alice Schwarzer – ein Verbot der Prostitution gefordert („Schwedisches Modell“ - siehe Hintergrundpapier). Was auf den ersten Blick plakativ wie eine gute Idee klingt und eine Gesellschaft ohne Gewalt, Ausbeutung und Sklaverei fordert, ist aber leider eben sehr plakativ und für die Realität in der Prostitution arbeitender Frauen eine gefährliche Kriminalisierung mit weitreichenden Konsequenzen.

Verbote schützen Sexarbeiterinnen nicht und sind auch kein Beitrag zur Gleichberechtigung

Verbote verdrängen aus dem öffentlichen Raum, verhindern eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema und schaffen unsichere Arbeitsbedingungen. Sicherheit in der Arbeit ist aber ein zentrales Thema, um Gewalt und Ausbeutung zu verhindern: selbst bestimmte Arbeitsmöglichkeiten und arbeitsrechtliche Absicherung, sichere Arbeitsplätze mit ausreichender sanitärer Infrastruktur, Freiheit bei der Kundenwahl und in der angebotenen Dienstleistung, kein Zwang zum Alkohol- oder Drogenkonsum, Zugang zu Safer-Sex-Wissen und Unterstützungsmöglichkeiten durch Vertrauenspersonen.

Sichere Arbeitsbedingungen – das muss für die ganze Vielfalt der Arbeitsorte in der Prostitution gelten; für Straßenprostitution ebenso wie in Laufhäusern, im Escort-Bereich oder in Prostitutionslokalen. Eines der Ziele des neuen Wiener Prostitutionsgesetzes (2012) war es, dicht bebaute Wohngebiete zu entlasten, gleichzeitig aber ausreichende andere Arbeitsorte für Sexarbeiterinnen zu schaffen, ihre Arbeitsmöglichkeiten nicht einzuschränken und auf sichere Rahmenbedingungen zu achten. Die Auslegung des Prostitutionsgesetzes bewirkt aber fehlende Orte in der Straßenprostitution und Druck auf die Frauen. Es ist absurd in einer Großstadt wie Wien keine 2,3 sicheren Straßen zu finden, sozialverträglich, wo Bezirksvorsteher_innen nicht blockieren.

Wir Grünen haben dem Druck, Prostitution zu verbieten oder zu verdrängen nicht nachgegeben, weil wir wissen, dass Kriminalisierung keine Lösung ist. Und wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass ideologische Kämpfe nicht auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen werden.

Bis zum Tag, wo in einer gerechten Gesellschaft Frauen wirklich gleichberechtigt sind, müssen wir Sexarbeit als Realität akzeptieren. Verbote führen nur zu Kriminalisierung, Gewalt und Illegalität auf Kosten der Frauen. Denn Prostitution findet statt, entweder legal oder illegal. Wenn Sexarbeit ausgeführt wird, dann soll dies sicher, geschützt, gesund und auch nicht zu Dumping-Preisen passieren oder illegal, dadurch sind die Frauen weder für streetwork noch der Polizei erreichbar.

Sexarbeit bedeutet für uns eine im Einvernehmen, freiwillig erbrachte sexuelle Dienstleistung zwischen Erwachsenen. Die Grenze zwischen Zwang und Freiwilligkeit ist dünn. Armut schließt Freiwilligkeit nicht aus.

Für diejenigen, die diese Dienstleistung erbringen (Frauen, mehrheitlich Migrantinnen, Frauen aus osteuropäischen Ländern, aber auch Managerinnen und Studierende) geht es uns um bestmögliche Arbeitsbedingungen und bestmögliche Sicherheit.

Mehr Informationen zur Situation in Wien sind hier in meinem Blog nachzulesen.