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am 16. Jänner

Jetzt startet "Respekt: Gemeinsam Stärker"

David Ellensohn, Barbara Huemer - An zehn Wiener Neuen Mittelschulen beginnt ein neues, umfassendes Präventionsprogramm. Die Schwerpunkte sind Mädchen- und Burschenarbeit, Elternarbeit und Konfliktkultur.

"Respekt: Gemeinsam Stärker" Gruppenfoto
Bei der Projektpräsentation an der NMS Enkplatz in Simmering

Ziel des Programms „Respekt: Gemeinsam Stärker“ ist es, die Schulen umfassend bei ihren Herausforderungen zu unterstützen – von Vorurteilen, Abwertungen und Mobbing über soziale und kulturelle Spannungen im Klassenzimmer bis hin zu Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft. Für jede einzelne Schule werden maßgeschneiderte Pakete geschnürt, um die schulspezifischen Herausforderungen intensiv zu bearbeiten. Das Programm läuft an zehn Wiener Pionierschulen bis Mitte 2021 und wird begleitend evaluiert. Ziel ist es, das Programm danach in Wien weiter auszurollen.

DAS PROGRAMM SOLL ALLE UNTERSTÜTZEN

  • Fortbildung für Lehrer*innen: gewaltfreie Kommunikation, gendersensible Pädagogik, Konflikte im Klassenzimmer, Cyber-Mobbing, Supervision etc.
  • Pädagogisches Arbeiten mit Schüler*innen: genderzentrierte Buben- und Mädchenarbeit, kritisches Denken & Handeln, Zivilcourage, Peer-Programme, kreative Kunstprojekte und digitale Lerntools, Konflikt- und Gewaltprävention
  • Angebote und Beratung für Eltern: Beratung und Schulungen, niedrigschwellige und mehrsprachige Beteiligungs-Angebote wie Elterncafés und Info-Veranstaltungen
„Lehrerinnen und Lehrer erfüllen eine enorm wichtige Aufgabe, sie begleiten alle SchülerInnen auf dem Weg vom Kind zum Jugendlichen. ‚Respekt: Gemeinsam stärker‘ unterstützt Lehrer*innen und Schüler*innen und hilft zusätzlich auch den Eltern bei ihrer Familienarbeit. Gemeinsam werden wir den jungen Wienerinnen und Wienern mehr Chancen eröffnen. Selbstbewusste Jugendliche sind das Fundament für das Zusammenleben in dieser großartigen Stadt.“
David Ellensohn

UMSETZUNG AN FÜNF SCHULEN STARTET IM FEBRUAR


Gestartet wird im Sommersemester 2020 an fünf Standorten, weitere fünf Standorte folgen im Herbstsemester 2020/21. Diese Schulen haben selbst großes Interesse und Bereitschaft gezeigt am Programm teilzunehmen. Sie wurden mit Blick auf die wienweite Streuung der Schulen und den Bedarf der jeweiligen Schule auf Basis des Sozialindexes – in Abstimmung mit der Bildungsdirektion – ausgewählt.

Im ersten Durchgang ab dem Sommersemester nehmen folgende Schulen teil:

  • 1020 Wien: NMS Pazmanitengasse
  • 1050 Wien: NMS Viktor-Christ-Gasse
  • 1110 Wien: NMS Enkplatz 
  • 1120 Wien: NMS Am Schöpfwerk
  • 1160 Wien: NMS Grundsteingasse
„Als Frauensprecherin ist es mir ein besonderes Anliegen, dass vor allem Mädchen gestärkt und gefördert werden. Einen gendersensiblen Unterricht und eine Schulkultur des gleich­be­rechtigten Miteinanders sehe ich dafür als gute Basis. Ich danke jenen Schulen, die geschlechtsspezifisches Diskriminierungsverhalten und geschlechtsspezifische Abwertungserfahrungen über das Programm „Respekt: Gemeinsam Stärker“ gezielt in den Blick nehmen und emanzipatorische Mädchen und Burschenarbeit in der Schule mit Unterstützung von ExpertInnen systemisch fördern wollen.“
Barbara Huemer

INHALTLICHE SCHWERPUNKTE


An allen Standorten wird an folgenden inhaltlichen Schwerpunkten gearbeitet:

1.) Stärken von Mädchen und Burschen: Genderspezifische Inhalte
Ein Schwerpunkt ist das Stärken von Mädchen und Burschen. Immer noch werden Jugendliche häufig mit Geschlechterklischees konfrontiert und bekommen zu hören, was „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ sei. Solche Erwartungshaltungen schränken in den Entscheidungen ein. Ziel ist es, diese überholten Rollenbilder und Erwartungshaltungen aufzubrechen und Mädchen und Burschen in ihrem Selbstbewusstsein zu unterstützen und zu stärken. Ein Teil davon ist, Mädchen über ihre Rechte zu informieren. Um Klischees aufzubrechen, spielt das Umfeld „Schule“ eine zentrale Rolle - gerade wenn es um das Miteinander und um Vorbilder geht. Hier setzt das Präventionsprogramm „Respekt: Gemeinsam stärker“an.

 2.) Demokratie und Beteiligung
Über Instrumente der SchülerInnenmitbestimmung werden SchülerInnen in die Gestaltung ihres Schulalltags stärker einbezogen und machen so konkrete, positive Erfahrungen mit demokratischen Prozessen. Schon in der Erhebung der Bedarfe an den Schulen wurden SchülerInnen eingebunden. In der Elternarbeit sollen neue Wege erprobt werden. Die Abwesenheit von Eltern im Schulalltag wird oft diskutiert und als Desinteresse interpretiert. Herausforderungen in der Kommunikation sind oft die Sprache, andererseits aber auch der Bildungshintergrund der Eltern. Im Rahmen des Programms werden in Zusammenarbeit mit ExpertInnen Konzepte erarbeitet, mit denen Mütter und Väter niederschwellig erreicht werden sollen.

3.) Empathiefähigkeit und Resilienz
Lehrer*innen sollen in ihrer Resilienz, also in ihrer Fähigkeit Krisen zu bewältigen, gestärkt werden. Hier liegt das Augenmerk auf der Arbeit mit den LehrerInnenkollegien, um die Unterstützungssysteme in der Schule auszubauen. Mit Teambuilding-Maßnahmen soll das Arbeitsklima verbessert werden. Außerdem sollen gemeinsam Handlungsleitfäden für herausfordernde Themen und Situationen mit SchülerInnen erarbeitet werden. Das Ziel: Dass herausfordernde Situationen künftig gemeinsam gelöst werden können. Lehrer*innen brauchen Empathie, um die vielfältigen Lebenssituationen ihrer SchülerInnen zu erkennen. Auch Schüler*innen müssen Empathie füreinander empfinden. Die Fähigkeit, sich in andere Menschen einfühlen zu können, ist die Grundlage für Prävention von Mobbing und Gewalt.

4.) Umgang mit Vielfalt und Pluralität in der Klasse
Die Herausforderungen unserer pluralen Gesellschaft spiegeln sich auch im Klassenzimmer wider. Vielfalt ist eine Bereicherung, wird aber von einigen Lehrer*innen auch als sehr fordernd beschrieben. Die Schule hat die Aufgabe, als Mittlerin zwischen den Einstellungen und Erfahrungen der Familien und den Anforderungen der Gesellschaft an Kinder und Jugendliche zu agieren. Der Umgang mit kulturell-religiös bedingten Vorurteilen seitens der Schüler*innen, bei gleichzeitig steigenden Erfahrungen mit Abwertungen und Rassismus der Kinder und Jugendlichen durch die Mehrheitsgesellschaft, zeigt die beiden extremen Pole, innerhalb derer Schule Konflikte auflösen muss. Auch Lehrer*innen sind gefordert, ihre Sicht auf die Schüler*innen und ihre Eltern zu reflektieren. Hier wird mit vorurteilsbewusster Pädagogik angesetzt und erkannt, dass die verschiedenen Schwerpunkte im Programm einander ergänzen müssen. Hier wird mit vorurteilsbewusster Pädagogik angesetzt und erkannt, dass die verschiedenen Schwerpunkte im Programm einander ergänzen müssen.

5.) Umgang mit sozialen Medien
Kinder und Jugendliche müssen in ihrem Umgang mit sozialen Medien gestärkt werden. Soziale Medien sind für junge Menschen ein wesentlicher Teil ihres Alltags. Insbesondere für Mädchen und ihre Selbstwahrnehmung ist es daher wichtig, einen differenzierten Blick zu entwickeln. Über die möglichen Konsequenzen der Nutzung dieser Medien sind SchülerInnen aber oft nur mangelhaft informiert. Mobbing und psychische Gewalt haben sich schon längst von der Klasse in den virtuellen Raum verlagert – Hass im Netz darf nicht toleriert werden. SchülerInnen sollen nicht nur lernen, wie sie achtsam mit ihren Daten umgehen können, sondern auch Möglichkeiten für Courage im virtuellen Raum kennenlernen. Auch hierbei brauchen Lehrer*innen Unterstützung, um gemeinsam an einem Strang ziehen und Konflikte in sozialen Medien in der Realität besprechen zu können.