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am 4. September

Die XXL-Chancen-Schultüte für Mädchen

Barbara Huemer - Die Grünen Frauen Wien haben heute der Bildungsministerin die „XXL-Chancen-Schultüte für Mädchen“ überreicht. Was drin ist, erfährst du hier.

XXL-Chancen-Schultüte für Mädchen

Anlässlich des heurigen Schulbeginns überreichen die Grünen Frauen Wien​ der Bildungsministerin die „XXL-Chancen-Schultüte für Mädchen“, die eine Reihe von Forderungen für mehr Zukunftschancen für Mädchen beinhaltet. Denn schon in der Schule werden die Grundlagen dafür gelegt, wie Mädchen später als Frauen ihr Leben gestalten können.

Das ist drin in der Schultüte:

1. Bei den Schulbüchern beginnt‘s

Wenn Kinder in der Schule die ersten Sätze lesen lernen, dann sind das oft Sätze wie „Die Mama kocht“. Hier könnte man schon früh beginnen, gendergerechte Sprache in den Schulbüchern zu verwenden, und etwa auch mal den „Papa staubsaugen“ lassen. Dazu braucht es dann auch LehrerInnen, die das gut vermitteln können. Auch müssen Unterrichtsmaterialien auf Geschlechter- und Rollenklischees, sexistische Aussagen und Darstellungen durchforstet werden. Im Geschichtsunterricht soll von der rein männerlastigen Geschichte abgegangen werden und historisch wichtige Frauenfiguren Eingang in den Unterricht finden. Spannende weibliche Vorbilder aus Geschichte, Wissenschaft, Kunst oder Literatur können Mädchen schon von klein positiv prägen

2. Aufbau von Selbstbewusstsein 

Erfahrungsgemäß trauen sich Mädchen und Frauen weniger zu als Burschen und Männer. Das ist nicht angeboren, sondern anerzogen. Daher muss dem in der Schule schon entgegen gewirkt werden. Etwa durch: "Ich sag NEIN"-Workshops, Ermutigung von Mädchen für SchülerInnen-Vertretungen zu kandidieren, Durchführung von Mädchen-Selbstverteidigungskursen in der Schule, positive Verstärkung der Interessen und Talente durch Rollenspiele oder durch spielerisches Erfahrungen sammeln mit unterschiedlichen Berufen. Auch das Thema Körperbilder kann durch Body-Positiv-Maßnahmen förderlich für das Selbstbewusstsein der Mädchen sein. 

Dazu gehört auch, schon in der Schule Gewalt an Frauen zu ächten. Denn Gewalt an Frauen und Mädchen ist nach wie vor ein großes Problem in Österreich. Jede fünfte Frau ist zumindest einmal im Leben davon betroffen. Auch muss Mädchen in der Schule im Rahmen des Sexualunterreichts vermittelt werden, dass sie ein Recht darauf haben, darüber selbst ohne Druck von außen und ohne schlechtes Gewissen zu entscheiden, was mit ihrem Körper geschieht.

3. Nicht nur Frauenberufe – was im Berufsleben alles möglich ist

Fast die Hälfte der weiblichen Lehrlinge macht entweder die Ausbildung zur Handelskauffrau, zur Bürokauffrau oder zur Friseurin. 25 Prozent der Studierenden der TU sind weiblich. Der Anteil an Mädchen in den HTL für Informations- und Kommunikationstechnik liegt etwa bei 15 Prozent.  Nur etwa 2 -3 Prozent der KindergartenpädagogInnen sind männlich. In sozialen und Erziehungsberufen beträgt der Frauenanteil hingegen an die 70 Prozent. Hier gilt es, schon in der Schule Mädchen ausreichend darüber zu informieren, welche Fülle an Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsfeldern ihnen zur Verfügung stehen. Wichtig ist, möglichst früh - am besten schon am Ende der Volksschule unter Einbeziehung der Eltern - das volle Berufsspektrum zu vermitteln. Idealerweise mit (weiblichen) Vorbildern von "außen". Denn leider sind viele Berufe, die Frauen traditionell ergreifen, schlecht bezahlt. 

Mit der Berufswahl legt man schon die Grundlage für die Höhe der späteren Pension fest. Mit Elternkarenz, Teilzeitarbeit und unbezahlter Altenpflege sinken die Chancen auf eine gute Pension. Darauf muss schon bei der Berufswahl aufmerksam gemacht werden und die SchülerInnen angeregt werden, Änderungen zu fordern.

4. Politische Bildung für gleiche Präsenz von Frauen in Politik, Wirtschaft und Kultur

Frauen sind in der Politik, in den höheren Ebene von Wirtschaft und Kultur unterrepräsentiert. Im Unterrichtsfach „Politische Bildung“ muss das thematisiert und hinterfragt werden. Es muss klar werden, dass Frauen in allen Bereichen auf allen Ebenen gleich präsent wie Männer sein müssen, um entsprechende Entscheidungen für die Bedürfnisse von Frauen treffen zu können.

5. LehrerInnen-Ausbildung

Gut ausgebildete und selbstreflektierte Lehrerinnen und Lehrer sind Voraussetzung für gendersensiblen Unterricht. Es darf nicht vom Zufall oder vom einzelnen persönlichen Engagement abhängen, wie Mädchen und Burschen ausgebildet werden. Es braucht verpflichtende Standards wie die Gleichstellung von Mädchen/Frauen und Burschen/Männer in der Schule umgesetzt wird. Lehrkräfte gehören dabei unterstützt, um kontinuierlich und fächerübergreifend Mädchen bestärken zu können.