Bezirkegruene.at
Navigation:
am 21. September

Der zweite Wiener Gleichstellungsmonitor ist da!

Barbara Huemer - Wir konnten in den letzten drei Jahren viel bewegen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde verbessert, der Gender Pay Gap wird geringer und es gibt mehr Frauen in Führungspositionen.

Ich freue mich, dass der Gleichstellungsmonitor nun zum zweiten Mal umfassende Informationen über den Lebensalltag von Frauen und Männern in Wien bietet. Als Frauensprecherin will ich die Gleichberechtigung in der Praxis vorantreiben. Der Monitor zeigt dabei zentrale Handlungsfelder auf. Der Gleichstellungsmonitor ist unser Navi auf die Roadmap zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Wien. Mit einem Maus-Klick zeigt er Benachteiligungen von Frauen wie auch positive Veränderungen auf.

deutliche Fortschritte 

  • Die Betreuungsquote von Kindern bis zu zwei Jahre ist von 35 auf 40 Prozent gestiegen. 
  • Die Erwerbstätigenquote unterscheidet sich zwischen Frauen und Männern weniger als im Österreichschnitt und die Teilzeitquote bei Frauen ist in Wien niedriger. 
  • Die Väterbeteiligung beim Kinderbetreuungsgeld ist gestiegen. 
  • Der Frauenanteil konnte in den Führungspositionen an Wiens Schulen, in Sportinstitutionen und in den Leitungsfunktionen des Wiener Krankenanstaltenverbundes erhöht werden, während der Anteil von Frauen mit maximal Pflichtschulabschluss von 61 Prozent auf 59 Prozent gesenkt wurde. 
  • Der Gender Pay Gap ist gesunken und beträgt mittlerweile 14 Prozent. 
  • Positiv für Frauen war auch die Einführung der 365 Euro-Jahreskarte –  46 Prozent aller Frauen haben eine  - deutlich mehr als 2013. Die Jahreskarte kommt vor allem deshalb Frauen zu Gute, weil sie auf Grund ihres Mobilitätsverhaltens öfters zu Fuß oder öffentlich unterwegs sind.

Wiener Gleichstellungsmonitor 2016

Drei Jahre nach Erscheinen des Wiener Gleichstellungsmonitors 2013 wird die Frage gestellt, wie sich die Lebenssituation von Frauen und Männern in Wien in diesem Zeitraum verändert hat. In 12 Themenfeldern und 123 Indikatoren wird der Status Quo der Gleichstellung sowie die zeitlichen Entwicklungen beleuchtet.

Frauen und Männer in Wien

In Wien stellen Frauen mit 51% mehr als die Hälfte der Bevölkerung, wodurch sie die statistische Mehrheit der Wohnbevölkerung bilden. Die Bevölkerung Wiens ist zwischen 2011 und 2016 um 8% gewachsen, die Zahl der Männer ist mit 9% stärker als jene von Frauen (6%) gestiegen.

Politische Partizipation

Die politische Partizipation von Frauen nimmt langsam zu, der Frauenanteil unter PolitikerInnen ist jedoch noch immer nicht repräsentativ für die Wohnbevölkerung. Unter Mitgliedern des Gemeinderates ist der Frauenanteil zwischen 2012 und 2016 von 34% auf 37% gestiegen. Hingegen ist der Frauenanteil in den Wahlvorschlägen von der Gemeinderatswahl 2010 zur Wahl 2015 von 43% auf 42% gesunken, auf den Plätzen 1-10 von 48% auf 43%.

Aus- und Weiterbildung

Mädchen machen in vielen Bildungsbereichen in Wien die Mehrheit aus. Nach wie vor besteht allerdings eine horizontale Bildungssegregation, die Auswirkungen auf Beschäftigungs-, Aufstiegs und Einkommenschancen hat. 56% der AHS- Oberstufen-SchülerInnen sind Mädchen aber nur 33% in Technischgewerblichen BHS, bei Sozialberuflichen bzw. Lehrerbildenden BMS und BHS ist der Mädchenanteil an den SchülerInnen am höchsten mit 74%.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit

Die Unterschiede in der Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern resultieren stark aus den unterschiedlichen Beteiligungen an unbezahlter Arbeit. So ist die Verteilung der unbezahlten Arbeit mit Kindern ungleich: nur bei einem Viertel der Paare ist die Erwerbsarbeit gerecht verteilt. Bei mehr als der Hälfte der Paare sind Frauen bei Vollzeitbeschäftigung des Mannes gar nicht oder teilzeit-beschäftigt. 

Die Erwerbstätigenquote beträgt in Wien 61% bei Frauen, bei Männern 66%. Die Unterschiede sind geringer als im Österreichschnitt. Gegenüber 2011 ist bei Frauen der Anteil der Erwerbstätigen leicht gestiegen, bei Männern tendenziell gesunken. Frauen mit Migrationshintergrund Drittstaat haben eine geringere Erwerbstätigenquote. 

Die Teilzeitquote ist in den letzten Jahren angestiegen, 43% der unselbstständig erwerbstätigen Frauen in Wien sind teilzeitbeschäftigt (im Gegensatz zu 18% der Männer). 

47% der Frauen und 26% der Männer arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Nur 53% der Frauen weisen eine Normalbeschäftigung mit unbefristeter Vollzeitbeschäftigung und sozialversicherungs- und arbeitsrechtlichem Schutz auf. Die Zahl ist zwischen 2012 und 2014 gestiegen. 

2014 arbeiteten 22% der Wienerinnen und 14% der Wiener in Niedriglohnbeschäftigung, d.h. sie verdienten weniger als zwei Drittel des Medianlohns (9,24 Euro brutto pro Stunde). Der Anteil von Frauen an Niedriglohnbeschäftigung ist von 2010 auf 2014 um 1%-Punkt, bei Männern um 2%-Punkte gestiegen. 

FREIZEIT UND SPORT

Insgesamt haben Wienerinnen im Schnitt rund drei Stunden an einem durchschnittlichen Wochentag und fünfeinhalb Stunden an einem durchschnittlichen Wochenende Zeit zu ihrer freien Verfügung. Finanzielle Ressourcen stellen oftmals eine Zugangsbarriere dar. Trotzt hohem Engagement und steigender Zahlen sind Frauen in Leitungsfunktionen in Freizeitvereinen und Sport noch immer unterrepräsentiert: Im Vergleich zu 2013 ist der Frauenanteil unter allen Leitungspersonen in Freizeitvereinen von 43 % auf 49 % gestiegen. In Leitungsfunktionen der Sportverbände ist der Frauenanteil um 7%-Punkte auf 29% gestiegen. Nur 29% der von Sporthilfe geförderten Personen sind Frauen.

Kunst und Medien 

Im Jahr 2015 entfielen 24% der im Frauenkulturbericht gelisteten Förderungen für Kunst der MA 7 – Kultur auf von Frauen geführte Institutionen bzw. durchgeführte Projekte (das sind rund 33 von insgesamt 137 Millionen). Mit 23% liegt dieser Anteil in der Filmförderung der Stadt Wien etwas niedriger und ist seit 2012 um 9%-Punkte gesunken. 

Der Frauenanteil in Geschäftsführungen und Chefredaktionen von Wiener Printmedien ist im Vergleich zu 2013 insgesamt weiter gesunken, in Geschäftsführungen von 19% auf 14%, bei ChefredakteurInnen von 28% auf 25%.

Einkommen 

Frauen verdienen im Schnitt um 21% weniger als Männer, wenn man das Bruttomedianeinkommen betrachtet. Bei selbstständigen Erwerbstätigen gibt es einen großen Einkommensunterschied von 32%.

Die Entwicklung der Einkommensunterschiede ist ambivalent im Vergleich 2009 und 2013: der Unterschied bei Einkommen vor Steuern bei unselbstständigen Erwerbstätigen ist leicht gesunken, bei den selbstständig Erwerbstätigen jedoch gestiegen. 

Der Gender Pay Gap, der sich auf den Bruttostundenlohn bezieht, ist im Vergleich zu 2010 von 16% auf 14% gesunken.

Betrachtet man Lohnunterschiede nach Migrationshintergrund zeigt sich, dass der Bruttostundenlohn bei Nicht- Österreicherinnen um 32% niedriger liegt als bei Österreicherinnen. 

Mehr als die Hälfte der unselbstständig erwerbstätigen Frauen ohne österreichische StaatsbürgerInnenschaft verdient weniger als EUR 10 brutto in der Stunde und somit um knapp EUR 2 weniger als ausländische Männer und EUR 5 weniger als ÖsterreicherInnen. 

Bei den Pensionsbezügen liegt der Gender Pension Gap bei 30%, im Vergleich zu 2011 ist er gesunken (2011 lag er bei 33%). 

Die niedrigste Lehrentschädigung wird für FriseurInnen und PerückenmacherInnen bezahlt, welcher zu den am häufigsten gewählten Lehrberufen von Frauen zählt.

Die höchste Lehrlingsentschädigung wird für ElektrotechnikerInnen, wo der Frauenanteil nur 7% beträgt, bezahlt. Gegenüber 2013 sind Lehrlingsentschädigungen im dritten Lehrjahr allgemein um 4% bis 5% gestiegen. Unterschiede zwischen frauendominierten und männerdominierten Berufen sind in Kollektivverträgen noch stärker ausgeprägt als bei der Lehrlingsentschädigung. 

Armut und Soziale Sicherheit 

19% der Wiener Bevölkerung lebt insgesamt in Haushalten, die als armutsgefährdet gelten. Zwischen 2011 und 2015 ist die Armutsgefährdung der Haushalte in Wien von 22% auf 19% gesunken, aber es zeigt sich nur wenig Veränderung bei den Geschlechterunterschieden. Frauen sind in Wien annähernd gleich stark von Armut betroffen: 19% der Frauen und 20% der Männer leben in Haushalten mit einem Einkommen, das maximal 60% des Medianeinkommens erreicht. 

Von finanzieller Deprivation (Gefährdung von Leistbarkeit von Grundbedürfnissen und unerwarteten, notwendigen Ausgaben) sind Frauen und Männer mit rund 20% gleichermaßen betroffen (2012 waren es noch 16%). Frauen weisen vor allem in den höheren Altersgruppen ein stärkeres Deprivationsrisiko auf als Männer. ​

Differenziert nach Haushaltskonstellationen hat sich vor allem die Situation von Frauen in Familien- und Paarbeziehungen verbessert. Der Anteil der armutsgefährdeten Paarhaushalten mit Kindern ist gesunken. Die ohnehin hohe Armutsgefährdung von allein lebenden Frauen ist leicht gestiegen. Bei Alleinerzieherinnen hat sich die Armutsgefährdung von 44% auf 34% verringert. 

26% der Wienerinnen ohne Migrationshintergrund sind armutsgefährdet, sowie 27% der Wienerinnen mit Migrationshintergrund EU. Bei Frauen mit Migrationshintergrund Drittstaat sind 38% armutsgefährdet (unabhängig von ihrer StaatsbürgerInnenschaft) 

Wohnen und öffentlicher Raum 

WienerInnen wohnen 2015 etwas häufiger in privaten und teureren Wohnungen als 2012. Frauen haben weniger Einkommen als Männer und wenden daher einen höheren Anteil ihres Einkommens für Wohnen auf. Der Wohnkostenanteil, d.h. der Anteil der Wohnausgaben für Mieten am Individualeinkommen, ist zwischen 2005 und 2014 um 36% gestiegen. 

Diskriminierungen von Frauen mit Migrationshintergrund geschehen eher an öffentlichen Orten. Wienerinnen mit Migrationshintergrund Drittstaat berichten häufiger von Diskriminierungserfahrungen als Wienerinnen mit Migrationshintergrund EU. Jede zweite Muslima berichtet von Diskriminierungserfahrungen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen. 

Umwelt und Mobilität

Frauen stellen insgesamt knapp ein Drittel der Studierenden in Studien mit Umweltschwerpunkt an den Wiener Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Der Frauenanteil ist damit in Umweltstudien höher als in den qualifizierten Green Jobs (25%). Frauen verbringen bei gleichzeitig kürzeren Arbeitszeiten mehr Zeit für den Arbeitsweg, was auch von der Wahl des Verkehrsmittels abhängt. 

Gewalt 

Der Frauenanteil der Opfer von Vergewaltigungen liegt bei 96%, von Delikten der geschlechtlichen Nötigung bei 99%, von sexuellem Missbrauch nach §205 bei 81%. 

2015 stehen 41% der Vergewaltigungsopfer in einem Bekanntschaftsverhältnis zum Täter bzw. der Täterin, gefolgt von Familienbeziehungen mit Hausgemeinschaft (23%). Ähnlich hoch ist das Nahverhältnis beim Tatbestand geschlechtlicher Nötigung. 

Im Vergleich zu 2012 hat sich Anzahl der strafbaren Handlungen gegen sexuelle Integrität und Selbstbestimmung etwas verringert. Es gibt 2015 weniger Anzeigen wegen Vergewaltigung, wegen geschlechtlicher Nötigung oder wegen sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigen Person. ​

2015 gab es gegenüber 2012 etwas weniger Meldungen wegen Gewalt in der Familie bei der Interventionsstelle, aber die Polizei hat im Verhältnis zur Gesamtzahl der Polizeimeldungen gleich viele Betretungsverbote ausgesprochen. 

Wenn Frauen von Gewalt betrogen sind, sind in 95% der Fälle Männer Gefährder und zwar überwiegend Partner oder Ex Partner. In 84% der Fälle (1.679) bei Gewalt in der Familie sind Frauen die Opfer und Männer die Täter. In 86% (2386) sind Frauen die Opfer von Partner/Expartner. 

Gesundheit 

2015 nahmen 14% Frauen und 13% Männer Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Im Durchschnitt beginnen Männer erst später damit als Frauen, nämlich ab circa dem 60sten Lebensjahr.

Im Vergleich 2011 zu 2015 steigen die Vorsorgeuntersuchungen an- mehr Personen nehmen sowohl die allgemeinen Untersuchungen als auch die gynäkologischen in Anspruch (2011: 12% der Männer und 13% der Frauen) 

Nur die Hälfte aller Mädchen mit Unter- oder Normalgewicht empfindet sich als „gerade richtig“. Im Vergleich zu 2009 ist dieser Anteil zwar um 3% gestiegen. Gleichzeitig sind jedoch auch die Zahlen von schweren Essstörungen, die stationäre Behandlung erfordern zwischen 2012 und 2015 um 6%-Punkte gestiegen und haben 361 Mädchen und Frauen im Gegensatz zu 49 Buben und Männern betroffen. 

2015 sind 83% der qualifizierten Pflegekräfte und 76% der PflegehelferInnen Frauen. Unter den ÄrztInnen gibt es ein ausgewogenes Verhältnis mit 53%. In Leitungsfunktionen ist der Frauenanteil allerdings geringer. Im Vergleich zu 2012 ist der Anteil der Ärztinnen gestiegen, sowie der Allgemeinmedizinerinnen, der Anteil der Fachärztinnen und vor allem Anteil der weiblichen Leitungen. ​




Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.