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am 2. September

Persönliche Erklärung von Maria Vassilakou

Maria Vassilakou - Maria Vassilakou hat heute eine persönliche Erklärung zu ihrer Zukunft abgegeben. Hier ihre Rede.

Liebe Wienerinnen, liebe Wiener!


Ich möchte heute meine Pläne für die Zukunft mit Ihnen teilen.

Und ich komme gleich zur Sache:

Ich kandidiere nicht mehr als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen. Als Vizebürgermeisterin und Stadträtin stehe ich längstens bis zum Rechnungsabschluss 2018 im Juni des kommenden Jahres zu Verfügung. Über diesen Zeitpunkt hinaus stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Bis dahin muss die Übergabe an meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin stattfinden und ich werde ein tiptop geführtes Ressort übergeben.

Wie Sie sich vorstellen können, ist für mich heute nicht irgendein Tag wie jeder andere. An einem solchen Tag  - und auch in den Monaten davor, als die Entscheidung heranreift -  denkt man unweigerlich an die Jahre des eigenen Schaffens, an die vielen Menschen, die einen auf dem Weg begleitet und gestützt haben und auch an die eigenen Beweggründe.

Wie kam es also, dass ich heute hier stehe?

Ich wurde in Athen in den schwierigen politisch dunklen Zeiten der Militärjunta als Tochter eines ehemaligen Flüchtlingskindes geboren. Das Land, damals noch tief gespalten als Folge des Bürgerkriegs, weitverbreitete Armut, die in den letzten Jahren leider zurückgekehrt ist - und Angst. Daran erinnere ich mich heute noch - das prägt sehr stark. Auch wenn meine Familie es zu relativen Wohlstand gebracht hatte, war es ihnen wichtig niemals die erlebte Not zu vergessen; wir waren überzeugt, dass wir geradezu die Pflicht haben, egal wo wir sind, egal wo wir stehen, aktiv daran zu arbeiten, dass Menschen ein besseres Leben haben können. Dass sie ohne Armut und Angst, in Freiheit leben können. Dass sie Perspektiven haben. Und dass Almosen nicht reichen; es sind Strukturen, es ist das Land, das wir grundlegend verändern müssen. So gesehen ist es kein Wunder, dass ich in die Politik ging. Solidarität, Freiheit und Demokratie waren immer mein Kompass, das war mein Kompass in den letzten 8 Jahren als Vizebürgermeisterin und das bleibt auch so für den Rest meines Lebens; in welcher Rolle auch immer.

Ich hatte eine glückliche Kindheit. Ich wuchs dort auf, wo die Stadt endete. Hinter unserem Haus waren Olivenhaine und Weinfelder. Nach der Schule schwirrten wir aus und niemand rief nach uns, bis die Sonne unterging. Dann wurde dort gebaut, ohne jede Grünraumplanung. Alles, was ich liebte, verschwand in einer Beton- und Asphaltwüste. Auch das prägt und machte aus mir eine leidenschaftliche Planungsstadträtin. 

Mit knapp 18 kam ich zum Studieren nach Wien. Das Universum spielt manchmal komische Spiele: Ich stand vor genau 32 Jahren am 4.9.1986 mit meinem Koffer etwas verloren am Südbahnhof - und blieb. Ich fand auch eine Familie: die Grünen; politisch wie auch menschlich. Ja, die Grünen sind meine politische Heimat und jener Ort, wo aus der jungen Einzelkämpferin ein politischer Mensch heranwuchs, der begriff, dass wir nichts allein erreichen und verändern können. Dass wir immer andere dafür begeistern und gewinnen müssen, dass wir nur gemeinsam stark sind. 

You´ll never walk alone - das ist der einzige Weg in der Politik und der führte uns schließlich in die Wiener Regierung und mich in Regierungsverantwortung für die großartigste Stadt der Welt.

Ich bin glücklich und dankbar für das Privileg, acht Jahre an der Spitze der lebenswertesten Stadt der Welt gearbeitet zu haben - das ist harte Arbeit und es ist das Verdienst von uns allen - von BürgerInnen, die sich täglich engagieren, von MitarbeiterInnen der Gemeinde, die unglaublich viel leisten. 

Ich weiß nicht, ob uns allen hier in Wien bewußt ist, wie gut wir es haben. Wie leben in einer Stadt, in der niemand Angst vor der Armut haben muss; eine Stadt, die einen auffängt und hilft wieder aufzustehen. Eine Stadt, in der über 60% der Bevölkerung leistbar, günstig wohnen, weil der soziale Wohnbau seit bald einem Jahrhundert dafür sorgt - etwas einzigartiges weltweit. 

Eine grüne Stadt, mit einem der besten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt, das zudem das günstigste Öffinetz der Welt ist. 

Eine Metropole im Herzen Europas, die sich so großartig weiterentwickelt hat, in den 30 Jahren, in denen ich Teil davon bin. Inzwischen eine junge Stadt, 1/3 unserer Bevölkerung ist unter 30. Da denke ich immer wow - was für eine Dynamik!

Ich schätze mich glücklich einen Anteil daran zu haben. Ich liebe es, gemeinsam mit den WienerInnen Projekte umzusetzen. Projekte, auf die man nachher stolz sein kann - und die jede Auseinandersetzung wert waren. Viele Errungenschaften der vergangenen Jahre können Sie, können wir alle jeden Tag erleben. Das macht mich glücklich. Dafür brenne ich als Politikerin: Mit einer Idee zu beginnen und daraus ein Stück Wirklichkeit zu entwickeln und umzusetzen. Zu erleben, wie sich die eigene Stadt weiterentwickelt, wie das Leben besser wird. Und auch hinzuschauen, wo es Probleme gibt und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Lust an meiner Arbeit ist einfach unbändig. Und so haben wir in den vergangenen 8 Jahren auch einiges weitergebracht. 

Zu den wichtigsten Projekten zählen unter anderem: 

  • ​Die neue Mariahilfer Straße
  • Die 365-Euro-Jahreskarte
  • Der neue Stephansplatz
  • Vorsorge für 10.000 neue Wohnung jährlich
  • Die neue Meidlinger Hauptstraße
  • Die neue Lange Gasse
  • Die neue Herrengasse
  • Das TOP-Jugendticket
  • 13 BürgerInnensolarkraftwerke versorgen rund 1.700 Haushalte
  • Das Parkpickerl in den Außenbezirken, inzwischen auch im 10. und 11. Bezirk
  • 1000 E-Ladestellen (laufend)
  • Die Wientalterrasse
  • Das Nordbahnhof-Viertel
  • Das Nordwestbahnhof-Viertel (laufend)
  • Das Hauptbahnhof-Viertel
  • Die Seestadt Aspern
  • Grätzloasen
  • Novelle der Bauordnung zum Schutz von Gründerzeithäusern vor der Abrissbirne

Mein Fokus liegt jetzt - wenig überraschend -  zu 100 Prozent auf meiner Arbeit für unsere Stadt. Ich will die nächsten Monate im Ressort dazu nutzen, um alle wesentlichen Vorhaben dieser Legislaturperiode abzuschließen bzw. so auf Schiene zu bringen, dass sie rechtzeitig abgeschlossen werden können.

Zu den wichtigsten Vorhaben für die nächsten Monate zählen: 

Die neue Rotenturmstraße, die Umgestaltung des Schwedenplatzes, die neue Argentinierstraße sowie die Neugestaltung des Reumannplatzes.

Die Sanierung der Westausfahrt und die Weichenstellungen für den neuen Busbahnhof.

20.000 neue, überwiegend geförderte Wohnungen auf Schiene bringen. Mir ist wichtig, dass der soziale Wohnbau über ausreichend Reserven verfügt, damit Wien auch für die nächsten Jahre gerüstet ist.  

UND:

Der Vorschlag einer Citymaut war mein Ernst und der Beginn einer fraktionsübergreifenden Debatte. Die begonnenen Gespräche werden ab September fortgesetzt. Mein Ziel ist es, möglichst alle Fraktionen für einen gemeinsamen Weg zu gewinnen, um die tägliche Verkehrsbelastung an den Wiener Einfallstraßen in den Griff zu bekommen und ich freue mich auf die Arbeit, die vor uns liegt.

Die naheliegende Frage lautet jetzt wohl, warum also? Warum diese Entscheidung?

Als ich im November vergangenen Jahres die Landesversammlung der Wiener Grünen um das Vertrauensvotum ersuchte und dieses auch erhielt, machte ich im Anschluß klar, dass ich die Erneuerung und die Öffnung der Wiener Grünen anstrebe; und dass ich diesen Erneuerungsprozess aus tiefster Überzeugung vorantreiben werde. 

Das löse ich nun ein. Und ich fange konsequenterweise mit mir selbst an.

Ich finde, es ist Zeit für den Generationenwechsel. Ein Generationenwechsel, der keineswegs nur das Alter, sondern auch Denkweisen, Visionen, Arbeitsweisen und Strukturen betrifft. Jetzt sind die Nächsten am Zug.

Und sie können sich meiner Unterstützung gewiß sein.

Aber es gibt auch persönliche Beweggründe:

In knapp sechs Monaten werde ich 50 Jahre alt. Das ist wohl oder übel für uns alle ein Zeitpunkt, an dem man Bilanz zieht und sich mit der Frage beschäftigt, wie man den Rest des eigenen Lebens leben will, was man noch erreichen, was man verändern, was man gestalten will.

Ich bin mit Leib und Seele Politikerin. Ein genuines Zoon Politikon.

Rückblickend habe ich die Hälfte meines bisherigen Lebens auf verschiedenen Ebenen in der Politik in Spitzenverantwortung gearbeitet. Eine Zeit, die ich nicht missen will. Doch wie wir alle wissen, ist das Leben in der ersten Reihe sehr intensiv. 

Und so leidenschaftlich gern ich Politik mache, so sehr ich es auch liebe Projekte umzusetzen, so sehr meine ich auch, dass ich mich von der ersten Reihe nach 25 wunderbaren, erfüllten Jahren in absehbarer Zeit verabschieden muss, um Zeit und Raum für Erneuerung zu geben - auch für mich selbst.

Und so möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich in den letzten Monaten und Wochen bestärkt haben, ja sogar von mir verlangt haben, noch einmal als Spitzenkandidatin der Grünen ins Rennen zu gehen. Ich kann mir vorstellen, dass manche jetzt gerade ein wenig enttäuscht sind. Aber das ist ein wohlüberlegter Schritt, den ich mir nicht leicht gemacht habe. Es geht um Glaubwürdigkeit. Man kann nicht von Erneuerung reden und dabei, nach zwei Jahrzehnten an der Spitze, sich selbst ausnehmen. Wer A sagt, muss auch B sagen. Und auch für mich ist es ein Neubeginn!

Es stehen bislang qualifizierte Kandidaten zur Wahl. Ich wünsche mir einen fairen Wettbewerb der Ideen und Visionen. Das würde Wien insgesamt weiter bringen. Ich wünsche mir mutige Ansagen und überzeugende Konzepte für die Stadt des 21. Jahrhunderts, für die beste Stadt der Welt.

Ich bin gespannt, wer die anstehende Wahl für sich entscheiden wird; wen uns die letzten Novembertage bringen…Mit ihm oder ihr gemeinsam werde ich den Zeitpunkt der Übergabe vorbereiten und umsetzen. Bis dahin, treffen Sie die hyperaktive Frau Vassilakou voller Lust und Tatendrang bei der Arbeit für die beste Stadt der Welt: mein Wien!

Maria Vassilakou