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am 26. Juni

Birgit Hebein: “Meine Vision für Wien 2030”

Birgit Hebein - Birgit Hebein ist die neue Grüne Vizebürgermeisterin und Stadträtin von Wien. Wie sie sich die Stadt im Jahr 2030 vorstellt, möchte sie hier mit dir teilen. Nimm dir Zeit und gehe mit auf eine kleine Gedankenreise in die nahe Zukunft.

Stell dir Wien im Jahr 2030 vor

Wien ist weiter gewachsen: über zwei Millionen EinwohnerInnen leben jetzt in unserer Stadt, 15 Prozent der WienerInnen sind unter 15 Jahre alt. Und unsere Stadt ist eine Stadt, die für ALLE Kinder und Jugendliche gut ist – unabhängig von ihrem Elternhaus

Wien ist eine Stadt mit Freiraum, Freiheit, großen und kleinen Parks, mit Grünraum-Oasen im unmittelbaren Wohnumfeld. Eine Stadt mit Wohn- und Spielstraßen. Eine Stadt, wo Jugendliche selbst über die Gestaltung von Räumen und Orten bestimmen. Wo Stadtplanung und Stadtentwicklung immer Räume offen lässt – vor allem auch für jene, die sich keine Dachterrassen oder Ferienhäuser leisten können. Eine Stadt, die Stadtplanung immer auch mit der sozialen Frage verknüpft.

Wien ist eine Stadt der kurzen Wege, in allen Bezirken – egal ob inner- oder außerhalb des Gürtels. Eine Stadt, in der die BewohnerInnen ihre alltäglichen Besorgungen in ihrem Grätzel erledigen können. Dafür nutzen sie die Öffis oder e-betriebene sharing-Angebote oder sind selbst aktiv mobil, sprich: sie gehen zu Fuß oder setzen sich auf’s Fahrrad. Sie entscheiden. Sie haben die Angebote. Neue Technologien ermöglichen automatisiertes Fahren. Es gibt Rad-Langstrecken von der Innenstadt bis nach Schwechat oder Liesing oder Mödling. Einkaufszentren am Stadtrand sind out. Staufahren langweilig. Autofahren ist trotzdem wertfrei möglich. Unsere Luft besonders sauber.

Ich sehe eine Stadt vor mir, in der jeder Bezirk eigene Begegnungszonen hat, selbstverständlich, gemeinsam gewollt und damit Orte des sozialen Austausches, Orte der Kommunikation, des Zusammentreffens. Auf beschatteten Bänken können sich ältere BewohnerInnen ausruhen, Brunnen und Sprühnebelduschen sorgen für Kühlung. Manche Bezirke haben Straßenabschnitte rückgebaut und Innenhöfe entsiegelt

Ich sehe eine Stadt, in der die Anzahl der Autos weiter signifikant gesunken ist. Attraktive Autoverleih- und sharing-Angebote, ein entschlossener Öffi-Ausbau und neue Mobilitätsangebote haben das eigene Auto zur Ausnahme werden lassen. Verbleibende Kraftfahrzeuge wie Autobusse, Taxis und Lieferfahrzeuge fahren immer öfters abgasfrei.

Ich sehe eine Stadt vor mir, in der wir mit Wachstum intelligent umgehen: Wo früher platzverschwenderische Einkaufs- und Gewerbeschachteln und unzählige Parkplätze standen, prägen im Jahr 2030 gemischte mehrgeschossige Häuser das Bild, so wie sie über viele Jahrhunderte in europäischen Städten üblichen waren. Auf den so gesparten Flächen sind Parks und Freiflächen entstanden. Holzbauten sind eine Selbstverständlichkeit. 

Die neuen Wienerinnen und Wiener leben in völlig neu entstandenen, Stadtteilen, wie wir sie aus der Seestadt Aspern bereits kennen: Wohnen, Leben, Arbeiten, Einkaufen, Forschen oder Freizeit verbringen – all das geht problemlos in eigenen Grätzel. Leistbares Wohnen ist ein Grundrecht und kein Luxus. Die zweite Bauordnung hat Grundlagen für völlige Gasunabhängigkeit gelegt. 

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ging schneller als in der Smart City Strategie aus dem Jahr 2019 vereinbart. Und: Im Jahr 2030 ist Wien eine klimaresiliente Stadt, weil wir dem Klimaschutz seit Jahren oberste Priorität eingeräumt haben. Jede Maßnahme, die wir gesetzt haben, wurde unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes beurteilt - der Klimabeirat hat uns dabei unterstützt. Diese Priorität ist sichtbar – und messbar: Sie spiegelt sich transparent und nachvollziehbar im jährlichen Klimabudget wieder. 

Im klimaresilienten Wien haben wir zehntausende neue Stadtbäume gepflanzt, kühlende Brunnen, Sprühnebelduschen, begrünte Fassaden und Dächer sind eine Selbstverständlichkeit. So verbessern wir das Mikroklima in der Stadt und kühlen sie ab. Denn: Wenn Bäume schwitzen, wird die Stadt kühler. Wir haben vorhandene Grün- und Freiflächen nicht nur erhalten, sondern verbessert und ausgebaut und sie in den Planungsprozessen zur obersten Prämisse gemacht

Das ist nicht nur meine Vision


Mein eben skizzierten Bild von Wien im Jahr 2030 ist die logische Konsequenz einer erfolgreichen Umsetzung der Smart City Strategie, wie wir sie heute im Gemeinderat beschließen.

Wir haben uns in der Smart City-Strategie ein sehr ambitioniertes Ziel gegeben: Die Senkung aller Treibhausgasemissionen pro Kopf um 85% bis 2050. Das funktioniert nur, wenn wir im Bereich Mobilität um 100% senken.

Warum ist das notwendig? Weil die Auswirkungen der Klimakrise längst auch in unser aller Lebensalltag hier in Wien spür- und nachweisbar sind. Schon heute steht fest, dass der Juni 2019 der wärmste Juni seit Messbeginn im Jahr 1767 sein wird. Abkühlung ist nicht in Sicht.

Ganz im Gegenteil: Derzeit steuern wird nicht auf 1,5 Grad oder auf 2 Grad, sondern auf drei oder gar vier Grad zusätzliche Erderhitzung zu. Die menschengemachte Erderhitzung ist damit DIE große globale Bedrohung. Für die Natur, für das Klima – für uns Menschen. Lufttemperaturen von über 40 Grad werden – das prognostizieren anerkannte WissenschaftlerInnen – künftig auch in unseren Breitengraden eher die Regel, denn die Ausnahme sein. 40 Grad! 

Schon für gesunde Menschen sind derartige Temperaturen unangenehm. Ältere Menschen, kranke Menschen und Kleinkinder sind von der Hitze aber noch viel stärker betroffen und beeinträchtigt. Fakt ist: Schon heute gibt es in Wien mehr Hitze- denn Verkehrstote. Es lastet eine große Verantwortung auf der Politik.

Die Probleme sind da, aber auch die Lösungen, um sie zu bewältigen. Wien hat die soziale Krise des beginnenden 20. Jahrhunderts wie keine andere Stadt dieser Welt bewältigt. Viele Errungenschaften zeugen heute noch davon. Wien wird auch die Krise des 21. Jahrhunderts – die Klimakrise bewältigen

Ich möchte mit meinem ganzen Herz und Engagement an diesen Lösungen arbeiten.

Birgit Hebein

(Auszug aus der Antrittsrede im Wiener Gemeinderat am 26.6.2019)


Birgit Hebein