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am 22. Juni

Kürzungen ohne Not - Neos betreiben Bildungsraub

Judith Pühringer, Julia Malle, Felix Stadler - Zwei Wochen vor Schulschluss drohen massive Kürzungen bei den Wiener Pflichtschulen.

Obwohl die Bundesregierung dank grüner Regierungsbeteiligung dem Land Wien mehr Mittel für die Bildungseinrichtungen zur Verfügung stellt, gibt es in Wien zahlreiche Kürzungen an den Schulen. Die Grünen Wien erhalten aktuell unzählige Mails und Anrufe, wonach Schulen, die mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, von ebenso starken Kürzungen betroffen wie alle anderen auch. 

* Zitat einer Mutter: „Mir wird anscheinend nichts anderes übrigbleiben, als mein Kind in eine Privatschule zu geben!“ 

* Zitat eines Sonderschullehrers, dessen Stunden drastisch gekürzt wurden: „Mein Lebenswerk ist zerstört“. 

*Zitat einer Direktorin, die mindestens 4 Lehrer*innen weniger hat: „Uns wurden oft die Stunden für Mehrstufenklassen gekürzt. Jetzt wissen wir nicht mehr, wie und was wir machen sollen. Wir sind verzweifelt“. 


„Wir fordern Bildungsstadtrat Wiederkehr auf, zu erklären, wohin die Ressourcen gehen, wenn sie nicht mal da ankommen, wo sie dringend gebraucht werden. Bildungsstadtrat Wiederkehr schöpft finanzielle Unterstützungen für Schulen nicht aus und kürzt beim Lehrpersonal: Die selbsternannte Bildungspartei der Neos hat sich also im Rekordtempo umentschieden: Aus Flügel heben wurde Flügel stutzen.“
Judith Pühringer, Grüne Stadträtin für Soziale Gerechtigkeit

Kürzungen bei Mehrstufenklassen, Ganztagsschulen, individueller Betreuung 

Es gibt Kürzungen in vielen Bereichen, vor allem auch im Inklusions- und Integrationsbereich. Viele Schulen wissen nicht mehr, wie sie ihre reformpädagogischen Projekte weiterführen sollen. Die Direktor*innen stehen verzweifelt da und müssen teils Lehrer*innen kürzen und Projekte aufgeben. Auch in sogenannten „Brennpunktschulen“ ist das der Fall. Folgende Auswirkungen auf die Schulen gibt es derzeit: 

  • Chancenindex wird schlecht umgesetzt: An sich ist der Chancenindex ein gutes Konzept, das aber derzeit katastrophal umgesetzt wird. Der Chancenindex hat zum Ziel, dass jene Schulen, die besonderen Bedarf haben, mehr Mittel bekommen. Konkret sind für Wien 130 Planstellen für Lehrer*innen mehr von Bundesseite vorgesehen.

    Uns ist keine Schule bekannt, die auf Grund des Sozialindex mehr Stunden bekommen hat. Auch sogenannte „Brennpunktschulen“ haben weniger Stunden und Lehrer*innen als voriges Jahr. Und das, obwohl diese Schulen dies so dringend bräuchten! Auch sind die Daten, auf denen der Chancenindex basiert, veraltet (aus dem Jahr 2016). Dadurch werden viele neue Schulen gar nicht berücksichtigt. 
  • Neu eingeführte Basiskontingente berechnen die Zahl der Lehrer*innen basierend auf der Zahl der Schüler*innen. Nicht mehr die Anzahl der Klassen zählt, sondern die Anzahl der Schüler*innen. Schulen, die kleine Klassen hatten, sind benachteiligt. Das macht individuelle Förderung für alle Kinder, speziell für Intergrations-Kinder schwieriger. 
  • Jenen Schulen, die angeblich besser dastehen, wurden die Mittel so drastisch gekürzt, dass diese Standorte ihre reformpädagogischen Projekte nicht weiter anbieten können. Das sind zum Beispiel verschränkte Ganztagsschulen, kleinere Gruppen, individuelle Förderung und Mehrstufenklassen. 2018 noch fordert Bildungsstadtrat Wiederkehr die Stadtregierung auf, auch künftig die notwendige Finanzierung der Mehrstufenklassen sicherzustellen. Jetzt schafft Wiederkehr mit Hilfe der SPÖ diese de facto ab. Lang etablierte pädagogische Projekte werden somit zerstört. 
  • Mangelnde Transparenz: Es ist völlig unklar, wohin die vom Bund bereitgestellten Mittel gehen. Wo sind die zusätzlichen Stunden, welche Schulen bekommen mehr und warum? Direktor*innen und Lehrer*innen, die einen Mangel öffentlich machen wollen, trauen sich das nur mehr anonymisiert, weil sie sonst Konsequenzen befürchten. 

Lehrer*innen werden kurz vor Schulschluss von Schulen abgezogen

Besonders irritierend ist auch der Zeitpunkt dieser weitreichenden Einschnitte. Zwei Wochen vor Schulschulschluss, mitten in der Coronakrise, erfahren Schuldirektor*innen, dass sie ihre jahrelang umgesetzten pädagogischen Konzepte nicht fortführen können. Innerhalb weniger Tage müssen sie manchen Lehrer*innen kommunizieren, dass diese im September nicht mehr an die Schule zurückkommen können.

„Die Neos machen hier einen weiteren Schritt zurück in die Ver­gangen­heit. Sie sind angetreten, um das Bildungssystem auf Vordermann zu bringen, passieren tut aber gerade genau das Gegenteil. Gute pädagogische Maßnahmen und die Einführung eines echten Chancenindex dürfen niemals gegeneinander ausgespielt werden. Seit Jahren etablierte pädagogische Arbeit wird gerade mit einem Schlag zunichte gemacht. Insbesondere in den letzten Tagen vor Schulschluss haben Schulen nicht die Zeit, sich adäquat gegen diesen Bildungsraub zu wehren. Wertschätzung für die Bildung und Pädagog:innen sieht anders aus, Herr Wiederkehr!“
Julia Malle und Felix Stadler, Bildungssprecher:innen der Grünen Wien