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am 12. April

Deutschklassen: Kinder trennen bringt‘s nicht

David Ellensohn - Die Bundesregierung will eigene Deutschlassen für Volksschulkinder einführen. Es werden Klassen zerrissen, Deutschkurse gekürzt und Schulen vor unlösbare Aufgaben gestellt.

Wenn Volksschulkinder ab Herbst, wie es die schwarz-blaue Regierung will, in eigene Deutschlassen gesteckt werden sollen, wird sich das negativ auswirken, und zwar für alle: für die Schulen, für die Kinder und auch für die LehrerInnen. Aufgrund der überstürzten Einführung müssen im nächsten Schuljahr alle Kinder, die bisher Deutschförderung bekommen haben, in eine eigene Klasse gehen. Das sind in Wien rund 15.000 Kinder in allen Altersstufen. Sehr viele Klassen müssen neu zusammengestellt werden, Klassengemeinschaften und auch Freundschaften werden zerrissen. Durch die vorgesehenen Deutschtests kommt es alle sechs Monate zu neuen Klassenzusammensetzungen

Das ist eine große Belastung für alle Kinder und LehrerInnen und pädagogisch auch völlig falsch. Denn internationale Studien und SprachwissenschafterInnen sagen klar: Sprache lernen funktioniert am besten, wenn man die Kinder nicht trennt und den Schulen die nötigen Ressourcen für zusätzliche Förderkurse bereitstellt.

Eigene Deutschklassen verhindern Integration und helfen auch nicht beim Deutsch-Lernen - die Sprache lernt man besser gemeinsam mit deutschsprachigen Kindern.​ Wir brauchen mehr und nicht weniger Geld für Deutschkurse.

Darüber hinaus gibt es für Kinder mit vorhandenen, aber verbesserungswürdigen Deutschkenntnissen eine massive Verschlechterung: Sie dürfen zwar im Klassenverband bleiben, bekommen aber statt bisher elf Stunden nur mehr sechs Stunden zusätzliche Deutschförderung.

Auch die DirektorInnen stellt dieser Plan der Regierung vor große Herausforderungen: Sie brauchen für die neuen Deutschklassen an jeder Schule zusätzliche Klassenräume – die es oft einfach nicht gibt. Die Stadt Wien rechnet allein in Wien mit rund 500 zusätzlichen Klassen in den Pflichtschulen.

Das Vorgehen der Bundesregierung könnte auch verfassungswidrig sein: Mit der strikten Vorgabe des Bundes, ab wann welche Deutschklassen verpflichtend zu bilden sind, wird den Schulleitungen die Möglichkeit genommen, die Einteilung und Größe der Klassen selbst vorzunehmen. Das beschneidet die konkrete Ausgestaltungskompetenz der Länder, die in der Verfassung festgeschrieben ist. ​

Foto: Shutterstock
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