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am 6. April

Die neue Bauordnung für Wien

Christoph Chorherr - Sie schützt historische Gebäude und fördert den Klimaschutz.

skylinewien
In einer wachsenden Millionenstadt wie Wien wird Bauen und Wohnen immer wichtiger. Die Bauordnungsnovelle bringt deutliche Verbesserungen in vielen Bereichen rund ums Bauen – vom Klimaschutz bis zur Stadtplanung. So wird es besseren Schutz für historische Gebäude geben, dem Klimaschutz wird Rechnung getragen durch mehr erneuerbare Energie in Neu-bauten, leistbares Wohnen soll als Ziel in der Stadtplanung festgelegt werden. Auch soll durch neue Regelungen wertvoller Baugrund künftig mehr fürs Wohnen und weniger für großflächige Einkaufszentren verwendet werden können. Ein Überblick.

1. KLIMASCHUTZ UND LEISTBARES WOHNEN ALS ZIELE DER STADTPLANUNG


In der Novelle der Bauordnung wurden erstmals leistbares Wohnen und Klimaschutz als Ziele der Stadtplanung verankert. Dies macht es bei künftigen Bauprojekten und städtebaulichen Verträgen leichter, leistbare Wohnungen und klimafreundliches Bauen schon von Beginn an mitzudenken und entsprechend mit den Bauträgern zu verhandeln.

2. Vorrang für erneuerbare Energie für Neubauten


In der neuen Bauordnung finden sich erstmals künftig auch Energie und Klimaschutz in den Planungszielen wieder, und zwar in Form der sogenannten „Energieraumplanung“: Für Neubauten gelten künftig dann höhere Klimaschutzanforderungen. Fossile Brennstoffe sollen in neuen Gebäuden überhaupt nicht mehr verwendet werden dürfen, zentrale Gasanlagen nur dann, wenn sie hocheffizient und in Kombination mit Solarenergie angewendet werden. Andere Bundesländer diskutieren über ein Ölheizungsverbot, Wien setzt es gesetzlich um. Und – für Wien viel relevanter – Gasthermen werden künftig in Neubauten nicht mehr möglich sein. Damit soll verhindert werden, dass diese Systeme, deren Lebenszeit bis gegen 2050 reicht, einer Dekarbonisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts im Wege stehen. 

Zusätzlich wird bei Gebäudesanierungen die Dämmung der obersten Geschoßdecke verpflichtend.

3. Bessere Nutzung des städtischen Raumes


Keine großflächigen Supermarktschachteln mehr

In den Wiener Außenbezirken kennt sie jeder: Die riesigen, einstöckigen Baumärkte, Supermärkte, Kleider- und Tiergroßhandlungen mit dazugehörigen großflächigen Parkplätzen. Diese verbrauchen enorm viel (teuren) städtischen Raum. In der neuen Bauordnung wurde daher eine Begrenzung des großflächigen Einzelhandels im Betriebsbaugebiet und Industriegebiet eingeführt. Der Handel benötigte bis dato für eine Nutzung bis 2.500 Quadratmeter keine eigene Widmung zum Bau eines Einkaufszentrums. In der neuen Bauordung soll das nur mehr für Gebäudekomplexe bis 1.000 Quadratmeter möglich sein. Damit soll dem Wildwuchs an einstöckigen „Supermarktschachteln“ Einhalt geboten werden, eine Verschwendung von wertvoller Grundfläche ist damit deutlich erschwert.

Verbot von kurzfristigen Vermietungen zu Beherbergungszwecken

Um im innerstädtischen Bereich Wohnfläche zurückzugewinnen, wurde in der neuen Bauordung ein Verbot von kurzfristigen gewerblichen Vermietungen von Wohnungen in Wohnzonen eingeführt. Grund dafür ist, dass in vielen Metropolen, wie etwa New York, Paris oder Barcelona, wertvoller Wohnraum durch die gewerbliche Vermietung von Wohnungen durch Organisationen wie zB AirBnB der Bevölkerung entzogen wird. Dieser Entwicklung will die Stadt Wien einen Riegel vorschieben mit diesem Verbot.


4. Umweltfreundliche Mobilität beginnt beim Bauen


Auch im Bereich Mobilität wurden zahlreiche Neuerungen in der Bauordnung verankert: So sind bei Neubauten nachrüstbare E-Ladestellen vorzusehen. Auch soll es mehr Fahrradabstellplätze geben, genauer gesagt wird ein Fahrrad-Abstellplatz pro 30 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen. Bei kleineren Parzellen wie in der Gründerzeit (bis 1.000 Quadratmeter Grundfläche) wird über eine magistratsinterne Richtlinie festgehalten, dass wegen Unwirtschaftlichkeit es einen Rechtsanspruch dafür gibt, statt für extrem teure Stellplätze die Ausgleichsabgabe zu entrichten.


5. Schutz des historischen Stadtbildes


Viele historische Gebäude in Wien sind nicht denkmalgeschützt, aber dennoch erhaltenswert und für das historische Stadtbild unverzichtbar. Ein Fall wie der überraschende Abriss des Ottakringer Landhauses, eines Wirtshauses in einem schönen ehemaligen Fuhrwerkerhaus in der Albrechtsreithgasse, soll künftig nicht mehr möglich sein. Die neue Bauordnung schützt das historische Gebäude, in dem künftig in Gebäude in Schutzzonen nur mehr dann abgebrochen werden dürfen, wenn der Magistrat bestätigt, dass kein öffentliches Interesse durch Beeinträchtigungen des Stadtbildes betroffen ist. Die technische Abbruchreife wurde zudem massiv verschärft. Außerdem werden Schutzzonen, die es jetzt nur für ganze Gebäudekomplexe gibt, nun auch für einzelne Gebäude möglich. Ein großer Schritt in Richtung Erhalt von Wiens historischer Bausubstanz.

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