Bezirkegruene.at
Navigation:
am 22. November

Alle Details zur neuen Wiener Bauordnung

Webredaktion der Grünen Wien - Was kann das stärkste wohnungspolitische Gesetz der letzten 30 Jahre? Hier alle Einzelheiten.

Zwei Jahre haben wir sie verhandelt - jetzt ist sie fertig: die neue Bauordnung für Wien. Hier alle Details: 

LEISTBARE WOHNUNGEN​

In der neuen Widmungskategorie "geförderter Wohnbau" muss der Anteil geförderter Wohnnutzfläche im Regelfall zwei Drittel betragen. Die Mieten in dieser Kategorie betragen rund 5 Euro netto pro Quadratmeter Wohnfläche.

Das heißt, dass künftig auf jeder zusätzlichen Grundfläche in Wien, die fürs Wohnen

gewidmet wird, zu zwei Dritteln leistbarer Wohnraum errichtet werden MUSS. In ganz Wien – von Simmering bis Hietzing.

Was im Gesetz steht:​

  • Begrenzung des Verkaufspreises von 188,- Euro pro Quadratmeter oberirdischer Bruttogrundfläche. Auf Förderungsdauer (40 Jahre) soll dieses Grundkostenlimit eingefroren und die Wohnungen weder gewinnbringend vermietet noch veräußert werden können. 
  • Grundbücherlich erfasstes Veräußerungsverbot der Wohnungen zu Gunsten des Landes Wien: Das bedeutet, dass die Stadt Wien im Verkaufsfall ihre Zustimmung geben muss.
  • Durch die Förderungsdauer soll im Zusammenhang mit dem Veräußerungsverbot zu Gunsten des Landes Wien sichergestellt werden, dass die/der KäuferIn der Wohnung auch anlässlich des Mietkaufs (z.B. nach 10 Jahren wird Eigentum an der Mietwohnung erworben) durch einen Weiterverkauf keinen Spekulationsgewinn erwirtschaftet bzw. die Wohnung nur im Sinn des Förderungsrechtes weiter vermietet werden darf (im Jahr 2018 zu 4,87 Euro pro m² WNFl). Das Veräußerungsverbot erstreckt sich auf die Zeit der Förderdauer. 
  •  Die gewinnoptimierte Veräußerung soll überdies durch Übernahme der Kaufpreisbildungsvorschrift nach dem WGG verhindert werden.

Klima- und Umweltschutz

Wien geht einen weiteren Schritt raus aus der Abhängigkeit von Öl und Gas und setzt ambitionierte Klimaschutzziele. Öl/Gasheizungen sind im Neubau verboten, Fassadenbegrünung erwünscht, Fahrräder müssen überdachte Parkplätze haben.


Was im Gesetz steht:​

  • Beschränkung von Treibhausgas-EmissionenGesetzliche Klarstellung, dass die Möglichkeit, in den Bebauungsplänen Beschränkungen der im festgesetzten Widmungsgebiet zulässigen Emissionen vorzunehmen, auch hinsichtlich der Treibhausgas-Emissionen besteht.
  • Steigerung der Verwendung von erneuerbarer EnergieIn Wohngebäuden, in denen Heizung/Warmwasser nicht aus alternativen Systemen gespeist werden, soll die Energie aus erneuerbaren Quellen mind. 20 % des Warmwasser-Bedarfs ausmachen. Weiters soll bei Neubauten und größeren Renovierungen die Aufstellung und der Einbau von Heizkesseln für feste und flüssige fossile Energieträger nicht zulässig sein. 
  •  Bestimmungen über die Energieraumplanung in den Bebauungsplänen: In Neubaugebieten sollen Zonenausgewiesen werden können, in denen die Verwendung von klimaschonenden Energieträgern (erneuerbare Energieträger, Abwärmenutzung etc.) vorgesehen ist. 
  • Ladeplätze für elektrisch betriebene KraftfahrzeugeKünftig soll vorausschauend ein Durchbruch herzustellen sein. Der Platzbedarf für einen allenfalls erforderlichen 2. Trafo ist  zu berücksichtigen.
  • Begrünung von Gebäudefronten: diese kann künftig im Bebauungsplan vorgesehen werden.
  • Fahrradabstellplätze: Hier wird eine eindeutige Mindestanzahl von 1 Stellplatz/30m² Wohnnutzfläche festgesetzt. Diese können künftig auch außerhalb des Gebäudes – etwa unter einem Flugdach – errichtet werden. 

PKW-PARKPLÄTZE

Wiens Zukunft liegt nicht im Bau von noch mehr Auto-Parkplätzen. Darum gibt es eine Erleichterung bei der Stellplatzverpflichtung.

Was im Gesetz steht:

  • Auflassung von nicht benötigten Pflichtstellplätzen: die Verpflichtung soll entfallen, sofern dies sachlich begründet wird. Ein Abstellplatz pro 100 m2 Wohnnutzfläche muss jedoch vorhanden sein.  
  • Stellplatzverpflichtung bei Sanierungen mit DG-Ausbau: bei einem Zu- oder Umbau oder bei Änderungen der Raumwidmung soll die Berechnung der Stellplatzverpflichtung so erfolgen, dass keine Schlechterstellung zu der Regelung vor der Novelle 2014 (Gegenrechnung von zusammengelegten Wohnungen und neu geschaffenen Wohnungen) besteht.

WOHNEN STATT AIRBNB

In Paris oder auch Barcelona sind unzählige Wohnungen via AirBnB vermietet und haben so die Mieten für die Bevölkerung in die Höhe getrieben. Wien lässt das nicht zu. Darum enthält die Bauordnung ein Verbot der gewerblichen Nutzung von Wohnungen.

Was im Gesetz steht:

  • Verbot der gewerblichen Nutzung von Wohnungen: die gewerbliche Nutzung für Beherbergungszwecke (z.B. Airbnb) steht mit der Widmung „Wohnung“ nicht im Einklang.
  • Nicht erfasst sind Fälle, in denen Personen im Sinne des „Home Sharing“ ihren eigenen Wohnraum gelegentlich vermieten, um sich etwas „dazuzuverdienen“.

ALTBAUTEN SCHÜTZEN

​​Wien schützt die Altbauten vor der Abrissbirne. Mit einem deutlich verbesserten Schutz der Gebäude mit Baujahr vor 1945.

Was im Gesetz steht:

  • Technische Abbruchreife: Die „technische Abbruchreife“ soll künftig nur dann vorliegen, wenn sich die Instandsetzung des Gebäudes als technisch unmöglich erweist (was de facto zu einer Abschaffung der „technischen Abbruchreife“ führt). 
  •  „Schutzzoneninseln“: Künftig können auch einzelne Gebäude als Schutzzonen ausgewiesen werden.
  •  Abbruch von Gebäuden: Voraussetzung für den Start der Abbruchtätigkeit soll eine Bestätigung des Magistrats (MA 19) sein, dass kein öffentliches Interesse am Erhalt des Bauwerks besteht. Kann eine solche Bestätigung des Magistrats nicht vorgelegt werden, ist für den Abbruch eine Bewilligung zu erwirken. Zwecks Erhaltung stadtbildprägender Gebäude der Gründerzeit und der Zwischenkriegszeit gilt das künftig auch für den Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden.​

KEINE HÄSSLICHEn SCHACHTELN MEHR

Schluss mit flächeraubenden, einstöckigen Einkaufsmärkten! Der großflächige Einzelhandel wird begrenzt.

Was im Gesetz steht:

  • Die Ansiedelung von (produzierenden) Betrieben im Industriegebiet sowie im gemischten Baugebiet – Betriebsbaugebiet wird z.T. dadurch erschwert, dass diese Flächen aufgrund einer höherer Zahlungsbereitschaft vermehrt an Einzelhandelsunternehmen vermietet bzw. verkauft werden. Zur Absicherung von Produktionsstandorten soll somit auf diesen Flächen bereits bei 1.000 m² Verkaufsfläche eine Widmung für Einkaufszentren erforderlich sein.