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am 9. März

Wohnbauskandal Teil 2: Der Abverkauf der gemeinnützigen Wohnungen der „Pannonia“

David Ellensohn - Der nächste Fall unglaublicher Geschäftemacherei mit Genossenschaftswohnungen: 766 Wohnungen in Wien wurden zu Schleuderpreisen verkauft.

Abgeschriebene Wohnungen gemeinnütziger Bauträger sind die leistbarsten Mietwohnungen, die wir haben. Die Stadt ist auf sie angewiesen, denn nur für sie gilt die Mietzinsobergrenze von 3,86 EUR netto pro m².

Wie die Machenschaften beim Ausverkauf der ehemals gemeinnützigen Bauträger Gesfö und Riedenhof zeigen, sind aber auch sogenannte "Genossenschaftswohnnungen" nicht vor Spekulation sicher. Nun rückt ein weiterer gemeinnütziger Wohnbauträger ins Zentrum der Aufmerksamkeit:​

Der Fall „Pannonia“

Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft "Pannonia", vormals "Buntes Wohnen", verlegte ihren Sitz von Wien nach Oberösterreich und dann ins Burgenland, wo die dortige Landesregierung 2012 ihr den Gemeinnützigkeitsstatus aberkannte. Inzwischen waren aber schon hunderte Wohnungen an private Investor_innen abverkauft. Und dies zu Schleuderpreisen, wie sich zeigt.

766 Wohnungen in Wien betroffen

Bereits 2009 und 2010 wurden 787 Wohnungen aus deren Bestand, 766 davon in Wien, an private Immobilienfirmen verkauft. Der Kaufpreis pro Wohnung (!) betrug damals rund 22.100,- EUR.

Ein Paket von 463 Wohnungen in 13 Wohnhausanlagen wurden im Dezember 2010 um rund 10,2 Mio EUR an die Firma eines niederösterreichischen Anwalts verkauft, der auch bei den Abverkäufen von Häusern der Riedenhof und Gesfö in großem Ausmaß beteiligt war. Nach Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Pannonia wurden genau diese 463 Wohnungen im Paket in das Firmengeflecht der Wiener Privatbank verkauft. Kaufpreis dann: genau 22.500.000,- EUR oder rund 48.600,- EUR / Wohnung.

Der Schaden ist gross

Natürlich stellt sich hier die Frage der strafrechtlichen Relevanz dieser Verkaufsvorgänge. Geschädigt wurden der Gemeinnützige Wohnbau und die Wohnbauförderung, das Burgenland und der angespannte Wiener Wohnungsmarkt, wo einige diese Wohnungen plötzlich um 4.000,- EUR pro m² zum Kauf angeboten werden.

Wir stellen unsere Rechercheergebnisse gern der Staatsanwaltschaft, die bereits ermittelt, und der burgenländischen Landesregierung zur Verfügung.​

Kienmayergasse 1
Die Wohnhausanlage Sporckplatz / Kienmayergasse

Die Wohnhausanlage Sporckplatz / Kienmayergasse in 1140 Wien. 

Diese 47 gemeinützigen Wohnungen wurden samt Stellplätzen im Dezember 2010 um 888.000,- EUR verkauft. Der Weiterverkauf im März 2013 erfolgte um 2.419.000,-. Gewinn für die handelnde MP Immobilien GmbH aus Baden: 1.531.000,- EUR.​

Kienmayergasse 2
Die Wohnhausanlage von der anderen Seite