Wiener Jugend unter Druck

Jugendliche in Wien stehen zunehmend unter Druck. Lehrlinge finden keine Ausbildungsplätze, teure Mieten und Öffis sind stellen eine enorme Belastung für Jugendliche dar. Wohnraum ist für viele junge Menschen unleistbar geworden.

Auch Einsamkeit unter Jugendlichen steigt an und gefährdet ihre mentale Gesundheit und den demokratischen Zusammenhalt. Die Grünen Wien präsentieren einen 4-Punkte-Plan, der die Jugend wieder in den Mittelpunkt der Stadt stellen soll.

Teure Öffis, teures Wohnen, hohe Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen

Die Liste der Belastungen für Jugendliche in Wien wird länger und länger. Mit 1. Jänner sind die Öffi-Preise für Studierende um bis zu 100% gestiegen, seit 1. Februar gibt es kein Semesterticket mehr. Ohne leistbare Öffis wird der Weg in die Uni, zur Lehrstelle oder in der Freizeit zur Herausforderung. Das Mobilitätsverhalten in der Jugend prägt das spätere Leben, junge Öffi-Fahrer:innen legen sich im Schnitt seltener ein Auto zu.

Bei privaten Wohnungen schnellten die Neuvertrags-Mieten (brutto) zwischen 2008 und 2024 von rund 8,50 Euro auf fast 14 Euro pro Quadratmeter in die Höhe. Im Schnitt kostet aktuell auf dem privaten Wohnungsmarkt eine 70 Quadratmeter-Wohnung etwa 250 Euro pro Monat mehr als eine geförderte Wohnung gleicher Größe. 2008 wohnten etwa 15 Prozent der jungen Wiener:innen in befristeten Mietverhältnissen, 2023 waren es mit 36 Prozent mehr als doppelt so viele.

Auch die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen steigt weiter an. Derzeit sind 13.808 Menschen unter 25 arbeitslos, die Zahl der Lehrstellensuchenden ist um 11,1 Prozent im Vergleich zu 2024 angestiegen. Der Bewerbungsschluss für Herbst naht und der Run auf die Lehrstellen der Stadt Wien ist riesig, von 10.500 Bewerbungen werden am Ende nur 230 genommen, berichten schon jetzt mehrere Medien. Aktuell suchen noch 3.900 Junge Menschen eine Lehrstelle, offen sind gerade nur 750.

Die Gruppe der 16-30-Jährigen ist besonders stark von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen: 42 % der jungen Wiener:innen arbeiten Teilzeit und 22% von ihnen in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis.

Diese Entwicklung führt zu Armut, psychischen Belastungen und Ausgrenzung. Gleichzeitig verschärft das den Fachkräftemangel, erhöht die Kosten für Sozial- und Gesundheits-systeme und untergräbt das Vertrauen junger Menschen in Politik.

Viele Wiener Jugendliche fühlen sich von Politik nicht gehört, finden Zugänge der Stadtregierung nicht passend oder erleben Angebote als wenig alltagsnah. Mit unseren Projekten wollen wir junge Menschen für Politik und Demokratie begeistern und einen Beitrag gegen Jugendeinsamkeit leisten

Porträtfoto Theo Löcker Theo Löcker Landtagsabgeordneter, Sprecher für Jugend, Digitalisierung und Sport

Einsamkeit als städtisches Problem in Wien

Der YEP-Jugendbericht „Mentale Gesundheit“ (April 2025) zeichnet ein deutliches Bild: 63% der Jugendlichen berichten, dass es ihnen aktuell nicht gut geht; 54% fühlen sich nicht ernst genommen, wenn sie über mentale Gesundheit sprechen. Gleichzeitig ist Zugehörigkeit (Belonging) für 81% zentral für ihr Wohlbefinden. Einsamkeit ist ein wachsendes & ernstzunehmendes Problem, besonders bei Jugendlichen. Sie gefährdet nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern auch den demokratischen Zusammenhalt.

Grüne Lösungen: Das 4-Punkte Programm

Öffis leistbar machen: mit der U26 Jahreskarte: Es soll ein Jugendticket für alle unter 26 Jahren geben, welches 79 Euro pro Jahr kostet.

Wohnen leistbar machen mit: 

  • Wohnungskautionsfonds: Nach dem Vorbild von Graz und Salzburg stellt dieser sicher, dass beim Anmieten einer Wohnung nicht auch noch hohe Beträge für eine Kaution aufgetrieben werden müssen.
  • Ausweitung des Bedarfsgrunds „Jungwiener:innen“: Menschen unter 30, die in Wien studieren oder eine Ausbildung machen, sollen im Rahmen des Bedarfsgrunds „Jungwiener:innen“ Zugang zum Gemeindebau und sozialen Wohnbau erhalten, unabhängig davon, ob sie davor 10 Jahre bei Eltern in Wien einen Hauptwohnsitz hatten.
  • Wohnbeihilfe für Studierende: Das Grüne Wohngeld fördert auch Studierende, Lehrlinge und andere Menschen in Ausbildung, die bisher von der Wohn- und Mietbeihilfe ausgeschlossen werden. WG-Konstellationen werden besser berücksichtigt. Das Grüne Wohngeld soll auch bei Studierendenwohnheimen unterstützen.

Für junge Menschen in Wien sind nicht nur Öffis, sondern vor allem Wohnungen, auch WG-Zimmer, nicht mehr leistbar. Selbst wenn man eine Wohnung bekommt, sind Kosten rund um den Einzug schon schwer zu finanzieren. Unterstützung dafür gibt es kaum, Wohnbeihilfe oder andere finanzielle Hilfen gibt es für alle in Ausbildung nicht. Hier muss dringend etwas getan werden.

Judith Pühringer Judith Pühringer Stadträtin, Parteivorsitzende, Sprecherin für Arbeitsmarkt und Menschen mit Behinderung

Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen mit:

  • Ausbau Jugendcollege: Dieses richtet sich an junge Wiener:innen mit Migrations-hintergrund und unterstützt sie beim Spracherwerb, Prüfungsvorbereitung + Basisbildung und bereitet sie damit auf weitere Ausbildungen und für den Einstieg in den Arbeitsmarkt vor.
  • Ausbau der Lehrstellen in städtischen Betrieben, vor allem in klimasozialen Berufen, durch eine Erhöhung der Lehrstellen im Magistrat und in stadtnahen Betrieben, der Schaffung von Ausbildungsplätzen in überbetrieblichen Werkstätten und der Einführung eines Ausbildungsfonds, der Ausbildungsplätze finanziert und kleinere Betriebe bei der Lehrlingsausbildung unterstützt.
  • Einem Ausbildungsfonds nach dem Vorbild Bremen: Dieser unterstützt Betriebe bei der dualen Ausbildung. Alle Unternehmen zahlen ein, während ausbildende Betriebe finanzielle Rückerstattungen und Fördermittel für Coaching und Weiterbildung erhalten.

Einsamkeit bekämpfen mit folgenden Projekten:

  • Vibecheck Demokratie: Der Grüne Klub und Social City Vienna verbinden Mental Health, Prävention und Demokratiebildung in einem regelmäßigen, niederschwelligen out-of-the-box-Format. Jugendliche, die sich von der Politik allein gelassen fühlen, sollen zu Wort kommen. Drei interaktive Sessions pro Jahr bringen Jugendliche mit Wissenschaft, Praxis und Politik zusammen, bewusst in konsumfreien Orten und in Außenbezirken. Ein laufendes Monitoring liefert Evidenz für treffsichere Prävention und sozialpolitische Maßnahmen. Das Jahres-Highlight „VibeJam im Rathaus“ bündelt Ergebnisse, macht Jugendstimmen sichtbar und übersetzt sie in konkrete Empfehlungen.
  • DASGYM-BUDDIES: Sport hilft gegen Einsamkeit, doch die Einstiegshürde ist oft groß. Dieses Programm matcht Jugendliche mit ehrenamtlichen Buddies aus dem Gym – für einen sicheren, begleiteten Einstieg in Training und Community.