Stephansplatz wird zur Baustelle
01.12.2009 10:50
Am Stephansplatz soll neben großen Aufzugs- und Stiegenanlagen auch ein Souvenirshop entstehen. Das Projekt wurde bis jetzt nicht vorgestellt. Wir starten die Diskussion.
Ab Jänner 2010 soll es am bedeutendsten Platz der Stadt erst so richtig losgehen mit Umbauarbeiten. Das Diözesanmuseum soll einen neuen Zugang, die Dombauhütte einen neuen Standort bekommen - und zwar unter der Erde. Erreichbar sein soll dieser über einen insgesamt 30 Meter langen und sieben Meter breiten Schacht zwischen der Nordseite des Stephansdoms und dem erzbischöflichen Palais, etwa dort, wo jetzt die Fiaker stehen. Durchbrochen ist dieser Schacht von einem 64 m² großen und 5 Meter hohen Lifthaus aus Stein, welches einen Lastenaufzug für Klein-LKW sowie einen Personenaufzug beherbergen wird. Auch ein neuer "Domshop" mit Souvenirartikeln soll am Platz entstehen.
12 Millionen Euro sind veranschlagt, finanziert durch die Republik, die Gemeinde Wien sowie den Verein "Rettet den Stephansdom", um für die Kirche nachhaltige Einnahmequellen in prominenter Lage zu schaffen. Geplant und beschlossen wurde dieses Projekt im Übrigen wie üblich in Wien unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Diesmal zeichnet eine "unheilige" Allianz aus Bezirksvorsteherin, Kirche und Raiffeisen-Generaldirektor Konrad, der als Obmann des Vereins "Rettet den Stephansdom" diesen Bau federführend betreibt, verantwortlich. Die Präsentation des 1:1 Modells der Grünen, das die Umbauarbeiten am Stephansplatz veranschaulichen sollte, wurde nicht genehmigt.
Ein Auszug aus dem Ablehnungsschreiben von Bezirksvorsteherin Stenzel:
Der offensichtliche Zweck dieser Grünen-Aktion ist es, eines der wichtigsten Projekte der Stadt Wien, der Erzdiözese, des Domes sowie des Bezirkes zu Fall zu bringen. (…) Man kann nur an das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten appellieren, eine derart demagogische Agit-Prop-Aktion nicht zuzulassen.
Die Fakten
- Ausmaße der Baulichkeiten: Schacht: 30x8 m Liftbauwerk: 8x8 m Höhe 5 m.
- Kosten: 12 Millionen Euro, teilweise mit Mitteln der Gemeinde Wien
- Deutlich weniger Stellplätze für die Fiaker.
- Die Buslinie 1A wird vorerst während der Bauzeit (geschätzt sind 2,5 Jahre) und nach Fertigstellung wohl endgültig in diesem Bereich gekappt, denn Platz wird es dann dort für den Bus keinen mehr geben.
Unsere Kritikpunkte
Hinter verschlossenen Türen wurde zwischen Bezirksvorsteherin Stenzel und Bürgermeister Häupl, sowie Christian Konrad von Raiffeisen als Sponsor das Bauvorhaben beschlossen. Es gab keine öffentliche Diskussion über dieses prominente Bauprojekt. Die Einbeziehung von ExpertInnen, Fachkreisen und den unmittelbar betroffenen AnrainerInnen und Geschäftstreibenden wurde nicht gewünscht. Die Nutzungsmöglichkeit des Platzes wird schwer eingeschränkt. Der öffentliche Raum (Stadt Wien) wird privatisiert, dadurch kommt es zu Behinderungen von FußgängerInnen, NutzerInnen der Öffis und von örtlichen Gewerbetreibenden.
Wir fordern:
- Eine öffentliche Präsentation des Projektes
- Zuerst ein Diskussions-, dann ein Entscheidungsprozess
- Suche nach Alternativlösungen für den Shop und die Zugänge im Bestand, bzw. in den angrenzenden Höfen der Erzdiözese
- Keine Verwendung öffentlicher Budgetmittel
- Erhalt des öffentlichen Raumes
- Die Erhaltung der Buslinie 1A in voller Streckenlänge
A-1082 Wien, Stiege 6
Tel: +43 1 4000 81800
Fax: +43 1 4000 99 81800
wien@gruene.at
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