Bessere Arbeitsbedingungen für LehrerInnen
23.11.2009 09:20
Auf Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen und Schulstufen kommen in den nächsten zehn Jahren große Änderungen zu. Der allgemeine Trend zu mehr ganztägig geführten Schulen bedeutet eine wesentliche Änderung im Berufsbild.
Die Betreuung von SchülerInnen am Nachmittag in Lern- und Übungseinheiten wird derzeit im Dienstrecht nicht ausreichend berücksichtigt. Auch der fortschreitende Ausbau der Neuen Mittelschulen bedingt Änderungen in Ausbildung und Dienstrecht der LehrerInnen. Der individualisierte Unterricht in stark heterogenen Klassen braucht entsprechende Vorbereitung. In großen Klassen ohne Unterstützung durch BegleitlehrerInnen ist diese Herausforderung nicht zu meistern.
Die Modularisierung in höheren Schulen bedarf einer neuen Art der Arbeits- und Jahresplanung. Kurse müssen semesterweise geplant werden. LehrerInnen werden zu Coaches, die SchülerInnen bei der Zusammenstellung ihrer individuellen Lernpläne zur Seite stehen.
Insgesamt steigen die Anforderungen an die Schulen gewaltig
Die Zusammensetzung der SchülerInnenpopulation ist im steten Fluss, immer mehr Erziehungsaufgaben werden in die Schule verlagert, die Schulen werden zum Lebensraum für SchülerInnen und LehrerInnen. Die Rahmenbedingungen ändern sich. LehrerInnen werden zu BegleiterInnen, Vertrauenspersonen, Ansprechpartnern auch bei ganz persönlichen Fragen und Problemen der SchülerInnen.
Was brauchen wir, damit die LehrerInnen diese Herausforderungen gewachsen sind?
- Ein Dienstrecht, welches die vielfältigen Aufgaben der LehrerInnen berücksichtigt
- Ein Besoldungsrecht, welches bereits BerufseinsteigerInnen ein faires Gehalt zugesteht
- Schulische Infrastruktur, die einen vollwertigen Arbeitsplatz in der Schule ermöglicht
- Unterstützung durch SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, ErziehrInnen, TrainerInnen etc.
- Zeit für die Vorbereitung und Abwicklung von Teamunterricht, Projekten und Jahresplanung
- Fortbildungsmöglichkeiten, um beruflich flexibel zu sein und eigene Kompetenzen auszuweiten
- Forschung an Schulen, um pädagogische Arbeit effizient weiter entwickeln zu können
- Eine Ausbildung, die den Wechsel und Weiterqualifizierung in andere pädagogische Berufe unter Anrechnung bereits abgeschlossener Ausbildungsmodule ermöglicht
Die Schule der Zukunft wird zum Lebensraum für SchülerInnen und LehrerInnen
Nachmittagsbetreuung findet in geeigneten Räumen und nach Möglichkeit vor allem außerhalb, auf Sportplätzen in Gärten und Parks statt. Kinder bekommen täglich eine gesunde, warme Mahlzeit in den Schulen.
LehrerInnen haben in der Schule einen Arbeitsplatz, Zugriff auf Infrastruktur wie Kopierer, Drucker, Internet und Räume, um sich mit KollegInnen auf Teamunterricht, Schulschwerpunkte und Projekte vorzubereiten. Die Schule ist der Hauptarbeitsplatz der LehrerInnen.
Schulbibliotheken dienen als Orte der Vernetzung von Wissen, als soziale Treffpunkte, der Erweiterung und Vertiefung von Gelerntem. Sie sind Orte der Interaktion von SchülerInnen aus unterschiedlichen Altersgruppen, informeller Zusammenkunft mit LehrerInnen, der Begabungsförderung und der Befriedigung von Neugier und Neigungen der SchülerInnen.
Eltern steht die Schule als Ort der Begegnung offen. Kommunikation mit den LehrerInnen, SchülerInnen, der Schulleitung und anderen Eltern wird ermöglicht. Eltern werden in den Schulalltag möglichst eingebunden. Nicht erst, wenn Probleme auftauchen, sondern laufend wird der Kontakt mit Eltern gehalten.
Die Schulleitung kann sich voll auf ihre pädagogische Leitungsfunktion konzentrieren. Verwaltungspersonal kümmert sich um die statistischen Aufgaben, die Finanzverwaltung, die Einhebung von Schülerbeiträgen, die Organisation von Ausflügen, die Einholung von Kostenvoranschlägen, die Verwaltung von Sammlungen etc.
Neue Berufsgruppen sind selbstverständlich im Schulleben verankert. ErzieherInnen und FreizeitpädagogInnen führen die Betreuungszeiten. SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen helfen ein positives Klima in den Schulen herzustellen und zu bewahren. SchulärztInnen und ErnährungsberaterInnen kümmern sich um die Gesundheit der Kinder. Kooperationen mit KünstlerInnen und MusikerInnen, mit Vereinen und Sporteinrichtungen, mit Organisationen der Zivilgesellschaft etc. bereichern das schulische Angebot und öffnen SchülerInnen den Blick für die Welt.
Das liebe Geld
Viele dieser Forderungen kosten Geld. Die Umstellung auf ein neues Besoldungsrecht mit höheren Einstiegsgehältern bedeutet eine Mehrinvestition in den ersten Jahren. Auf Grund der Altersstruktur kommt es in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu einem Generationenwechsel bei den LehrerInnen. Dieser schafft finanzielle Spielräume für höhere Einstiegsgehälter und leistungsgerechte Entlohnung.
Investitionen in die Infrastruktur der Schulen sind unumgänglich. Bei jedem Umbau, jeder Sanierung und jedem Neubau von Schulen müssen die Voraussetzungen für geeignete Arbeitsplätze der LehrerInnen und eine kindgerechte Gestaltung der Räumlichkeiten Berücksichtigt werden. Schrittweise werden die Schulen so den Anforderungen gerecht.
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