28.11.2011
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Lobauautobahn: zurück an den Start!

Noch bis zum 1.12.2011 liegt das Projekt Lobauautobahn im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur öffentlichen Auflage auf. Wir haben die Unterlagen von einem Verkehrsplaner der TU Wien prüfen lassen. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig. Die Verkehrsprognosen stimmen einfach nicht.

Fachliche Kritik am Verkehrsmodell der Asfinag

Dr. Harald Frey vom Institut für Verkehrsplanung und -technik an der TU Wien hat die Projektunterlagen der Asfinag aus verkehrswissenschaftlicher Sicht untersucht und massive Kritikpunkte gefunden. Wesentliche relevante Teile der Grundannahmen stimmen nicht mit den realen Entwicklungen überein.

  • Einerseits entsprechen die Prognosen über die Entwicklung des Motorisierungsgrads für Wien nicht den aktuellen Trends.
  • Andererseits hat die Asfinag in ihren Modellrechnungen auch nicht die verkehrspolitischen Maßnahmen der rotgrünen Wiener Landesregierung berücksichtigt, die eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um ein Drittel in Wien zum Ziel haben.

Unrealistische Szenarien

Im Verkehrsmodell der Asfinag werden keine raumstrukturellen Wirkungen berücksichtigt und falsche Annahmen getätigt. Dies führt dazu, dass laut Berechnungen der Asfinag der gesamte Pkw-Verkehr in der Ostregion im Jahre 2025 mit Lobauautobahn sogar geringer sein soll als ohne Autobahn – eine absurde Aussage. Da die statischen Verkehrsmodelle der Asfinag auch keine Aussagen über mittelfristige Verkehrsverhaltensänderungen erlauben, müssen auch die Versprechungen über Verkehrsentlastungen im untergeordneten Verkehrsnetz in der Donaustadt angezweifelt werden.

Auch endet das Verkehrsmodell der Asfinag beim A23-Knoten Prater. Die zusätzlichen Belastungen des niederrangigen Straßennetzes in Wien werden erst gar nicht untersucht.

Negative Auswirkungen der Lobauautobahn auf FußgängerInnen und RadfahrerInnen werden völlig geleugnet, Verschiebungen im Modal Split zu Ungunsten des Öffentlichen Verkehrs in Wien werden kleingeredet. 

Massive negative Auswirkungen auf Wien

Abschließend beurteilt Dr. Frey den Bau der Lobauautobahn für Wien äußerst negativ. Der Bau wirkt den Zielsetzungen der Stadt Wien im Masterplan Verkehr Wien 2003 definierten Zielen diametral entgegen. Er widerspricht auch der Klimastrategie von Bund und Gemeinde.

Die Lobauautobahn hat massive negative Auswirkungen auf die Stadtentwicklung von Wien und die bestehenden innerstädtischen Strukturen.

  • Der Anteil des motorisierten Verkehrs an den zurückgelegten Wegen in Wien wird erhöht.
  • Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an den EinpendlerInnen wird erhöht. 
  • Rad-, Fuß- und öffentlicher Verkehr werden durch die Verbesserung der Pkw-Erreichbarkeit strukturell geschwächt.
  • Emissionen, Schadstoffbelastung und die Zahl der durch Lärm beeinträchtigten EinwohnerInnen nimmt zu.
  • Die Abwanderung an die Peripherie wird verstärkt.
  • Kaufkraftabfluss ins Umland.
  • Flächenverbrauch durch Zersiedelung.
  • Schwächung von kleinteiligen Wirtschaftsstrukturen durch "economy of scale" – Effekte.

Zusammenfassung

Überholte  Annahmen - fehlerhafte Prognosen 

Diese Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass die Asfinag teilweise mit falschen Annahmen bezüglich der Verkehrsentwicklung durch die Lobauautobahn arbeitet. Das führt zu fehlerhaften Prognosen. Viele Parameter, die für die Beurteilung der Umweltverträglichkeit des Projekts relevant sind, beruhen aber auf der prognostizierten Verkehrsentwicklung. Sind die Verkehrsprognosen falsch, so stimmen auch die daraus gezogenen Schlüsse nicht.

Seriöse Zahlen statt Hausnummern

Dies führt dazu, dass in der Umweltverträglichkeitsprüfung über weite Strecken mit Hausnummern gerechnet wird. Das darf nicht sein. Wenn schon so ein großes Verfahren zur Beurteilung der Umweltverträglichkeit der Lobauautobahn durchgeführt wird, dann darf das nur mit seriösen Zahlen geschehen. Zum Beispiel wird die Entlastungswirkung des niederrangigen Straßennetzes in der Donaustadt stark überbewertet. Gleichzeitig wird die Menge des durch die Lobauautobahn induzierten Verkehrs viel zu gering bewertet.

Deshalb fordere ich das Verkehrsministerium auf, die Asfinag anzuhalten, für die Verkehrsprognose seriösere Zahlen zu verwenden. De facto bedeutet dies für die Umweltverträglichkeitsprüfung zur Lobauautobahn: Zurück an den Start!

 

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Kommentare

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Rüdiger Maresch

Rüdiger Maresch
ruediger.maresch@gruene.at

In dieser Grafik, welche der aktuellen TU-Studie entnommen ist, wird deutlich gemacht: die Annahmen der UVP zum prognostizierten PKW-Besitz entsprechen NICHT dem Trend.