3.11.2011
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Was du immer schon über die Parkpickerl-Ausweitung wissen wolltest

Die Stadt Wien diskutiert zur Zeit eine Ausweitung der Zonen, um die Parkplatzsituation zu entspannen und die Verkehrsbelastung zu verringern. Hier beantworten wir die meistgestellten Fragen von BürgerInnen dazu.

Im November ist eine Studie zur Parkplatzsituation in den Wiener Bezirken ohne Parkpickerl veröffentlicht worden. Was sind die Hauptaussagen der Studie?

  • Die Studie, die du übrigens hier herunterladen kannst, untersucht die aktuelle Parkplatzsituation in allen derzeit noch nicht bewirtschafteten Bezirken, oder zumindest in Teilbereichen davon.
  • In den meisten untersuchten Bereichen wird die Vollauslastung von 85% an besetzten Parkplätzen im Öffentlichen Raum erreicht.
  • Die Anzahl der Autos mit Nicht-Wiener Kennzeichen beträgt im Durchschnitt 25%.
  • In den meisten untersuchten Bereichen gibt es einen hohen Stellplatzdruck und viel Parkplatzsuchverkehr.
  • Die AnrainerInnen müssen lange nach freien Stellplätzen suchen, weil diese v.a. von Tages- und WochenpendlerInnen belegt sind.
  • Die Ausweitung des Parkpickerls würde die Parkplatznachfrage in den dicht bebauten Gebieten um 35 Prozent und im Umfeld der U- und S-Bahnstationen sogar um 41 Prozent verringern.

Wie könnte eine Ausweitung des Parkpickerls genau aussehen? Wo soll es kommen? Was würde es für die BewohnerInnen kosten?

  • Es würde das derzeit in Wien geltende System beibehalten werden. Das bedeutet: von Mo-Fr von 9-22h darf man nur mit Parkpickerl parken oder einen Parkschein fürs Kurzparken verwenden. Das Parkpickerl soll wie bisher zwölf Euro pro Monat kosten.
  • Die genauen Grenzen der bewirtschafteten Gebiete werden von den betreffenden Bezirken abhängen. Hier soll es in den nächsten Monaten einen Diskussionsprozess geben. Die Studie hat zwar Vorschläge erstellt, die Letztentscheidung liegt aber bei den einzelnen Bezirksvertretungen.

Ab wann würden die neuen Parkpickerlzonen gelten?

  • Angestrebt wird derzeit ein einheitlicher Start der Erweiterung mit 1.9.2012


Wer würde von einer Ausweitung des Parkpickerls profitieren?

  • Die autobesitzenden Bewohner und Bewohnerinnen, weil sie wieder viel mehr freie Parkplätze im Straßenraum finden würden.
  • Alle Bewohner und Bewohnerinnen der betreffenden Bezirke, weil durch weniger Autoverkehr (Zufahrts- und Parkplatzsuchverkehr) auch die Belastung durch Lärm und Abgase zurückgehen würde. Und es würde mehr Platz für Maßnahmen frei, die ihre Umgebungs-Wohnqualität steigern würde: zum Beispiel für neue autofreie Plätze und Parks oder fürs Radfahren gegen die Einbahn oder für Beschleunigungsmaßnahmen für die Öffis.
  • Alle Wiener und Wienerinnen, weil durch die Parkpickerl-Ausweitung der Auto-Verkehr in Wien sinken würde.
  • Die Stadt Wien, weil sie auf Grund des verringerten Autoverkehrs geringere Kosten für das Gesundheitssystem und für den Straßenausbau hätte.
  • Die Wirtschaftstreibenden, weil sie sich viel Zeit für die Parkplatzsuche ersparen könnten. Und Zeit ist Geld.

Wenn überall das Parkpickerl gilt, was sollen die PendlerInnen dann machen?

  • Diejenigen PendlerInnen, die derzeit mit dem Auto anreisen, haben die Gebiete außerhalb des Gürtels und rund um U-Bahnstationen (außerhalb des derzeit bewirtschafteten Gebiets) als riesige Gratis-P&R-Anlage zweckentfremdet. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.
  • -Laut aktueller Studie haben 56% der PendlerInnen vor, auf Öffis + zu Fuß + Rad umzusteigen. Rund 8% wollen eine Fahrgemeinschaft bilden, 7% wollen sich einen Garagenplatz nehmen und nur 16% wollen ihr Auto in einem bewirtschaftungsfreien Bereich parken.
  • -Derzeit laufen Verhandlungen der Stadt Wien mit dem Land NÖ und der ÖBB, um die grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehre (v.a. die Schnellbahnen) für die niederösterreichischen und Wiener PendlerInnen attraktiver zu machen.
  • Die Verbilligung der Jahresnetzkarte der Wiener Linien auf 365 Euro ist bereits eine Vorleistung seitens der Stadt Wien, um den PendlerInnen den Umstieg auf öffentlichen Verkehrsmittel zu erleichtern.

Was soll man in Zukunft machen, wenn man mit dem Auto eine Besorgung in den neuen Parkpickerl-Gebieten machen will?

  • Das Auto in eine Garage stellen oder einen Parkschein um 1,20 Euro/Stunde (max. 2 Stunden Kurzparkzeit) kaufen.

Wem würden die Einnahmen zugute kommen?

Die Einnahmen der Parkraumbewirtschaftung sind zweckgewidmet. Und zwar für folgende Maßnahmen:

  • Park & Ride Anlagen in Wien 
  • Park & Ride Anlagen im Umland          
  • Förderung von Garagen                                      
  • Beschleunigungsprogramm öffentlicher Verkehr                 
  • Förderung der Verkehrssicherheit                             
  • Überprüfung der "Grünen Welle"            
  • Ausbau von Radabstellanlagen                                 
  • Nachrüstung Fahrradräume                                
  • "Grüne Bügel" in den Bezirken                                 
  • Ausweitung von City-Bike-Stationen  

Was passiert, wenn ein Bezirk KEIN Parkpickerl will?

Dann wird es dort keine Parkraumbewirtschaftung geben. Die Studie hat dieses Szenario allerdings auch für alle Bezirke einzeln untersucht. Das Ergebnis besagt klar, dass die Anzahl an bezirksfremden Autos dann massiv ansteigen wird und damit die Überparkung.

Wenn das Parkpickerl den AnrainerInnen angeblich so viel bringt, warum führen dann Bezirke, die das Pickerl schon haben, jetzt AnrainerInnen-Parkplätze ein? Bedeutet das nicht, dass das Parkpickerl allein den Anrainern wenig bringt und nur was kostet?

Nein. Nach der Einführung des Parkpickerls in den Innenbezirken war eine deutliche Entspannung der Parkplatz-Situation mess- und sichtbar. Doch das ist über 10 Jahre her und inzwischen haben sich viele Haushalte ein Zweitauto angeschafft und viele Menschen haben ihren Garagenplatz gekündigt, weil es an der Oberfläche eben wieder mehr freie, billige Parkplätze gegeben hat.

Wieso protestiert die Wiener Wirtschaftskammer gegen die Ausweitung des Parkpickerls?

  • Das ist schwer nachzuvollziehen. Die Wirtschaftstreibenden werden von der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung massiv profitieren, weil sie sich viel Zeit für die Parkplatzsuche ersparen können.
  • Bei der konkreten Umsetzung der Parkraumbewirtschaftung sollen auch allfällige bürokratische Hürden für die Erlangung eines Parkpickerls für ein betriebsnotwendiges Fahrzeug abgebaut werden.

 

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