26.5.2011
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Unser Stufenplan fürs Plastiksackerlverbot
Meistens sind Plastiksackerln nur eine halbe Stunde im Einsatz, ihr Abbau dauert aber 400 Jahre. Wir wollen den gesundheitsgefährdenden Unfug beenden, und zwar schrittweise.
Wien produziert rund 2.000 Tonnen Plastiksackerlmüll pro Jahr. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind dramatisch, denn Plastik wird nur sehr langsam abgebaut. Chemikalien lösen sich aus dem Kunststoff, gelangen in den menschlichen Körper und können gravierende Gesundheitsschäden verursachen: von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen. Aber es geht nicht nur um unsere Gesundheit, sondern auch um Ressourcen. Plastiksackerln bestehen aus Polyethylen und werden aus Erdöl, einem fossilen Rohstoff, hergestellt. Wir werfen also eine nicht nachwachsende Ressource auf den Müll.
Genug gewartet: ein Verbot muss her
Die schlechte Nachricht: die Regelungen, die Verpackungen betreffen, werden vom Bund festgeschrieben, landesrechtliche Verbote sind nicht möglich. Wir fordern daher vom zuständigen Umweltminister ein nationales Verbot für Plastiksackerl. Die Bevölkerung wäre längst bereit dazu, das haben Umfragen von IFES ergeben. Jetzt muss die Regierung handeln.
Unser Stufenplan für einen österreichweiten Ausstieg aus den Plastiksackerln sieht so aus:
- Verbot von Gratisplastiksackerln beim Einkaufen (auch auf Märkten)
- Ersetzen von Plastiksackerln durch mehrfach nutzbare Sackerln (zb aus Stoff) und solchen aus nachwachsenden Rohstoffen
- Generelles Verbot von Plastiksackerln
Was macht der Rest der Welt?
Endlich gibt es auch auf EU-Ebene Bewegung in Sachen Plastiksackerl: Die EU-Kommission in Brüssel erwägt, Plastiksackerln mit einer eigenen Abgabe zu belegen oder generell zu verbieten.
- In Italien gibt es seit dem 1. Jänner 2011 ein Plastiksackerlverbot. Es umfasst alle Tragetaschen, die nicht biologisch abbaubar sind. Tragetaschen, die biologisch abbaubar sind, sind weiterhin erlaubt. Damit soll die Umstellung auf wiederverwendbaren Stoffbeuteln oder Gummitaschen und „Bio-Plastik“ vorangetrieben werden.
- In Irland trat 2002 eine Verordnung in Kraft, die die Abgabe von 15 cent pro Stück Plastiksackerl festschreibt. Es gibt dabei Ausnahmen - für Verpackungen von frischem Fisch, Frischfleisch oder Geflügel, Obst, Gemüse, Nüsse, Süßwaren, Milchprodukte, Fertigspeisen oder Eis, soferne diese Produkte nicht selbst verpackt sind.
- In Frankreich wurden Beschränkungen zur Abgabe von Plastiksackerln ähnlich Italien erlassen. Als Ergebnis haben große Lebensmittel-Einzelhandelsketten die Gratis-Abgabe von Tragetaschen eingestellt. Nun muss der Konsument Tragetaschen bei Bedarf kaufen. Die Anzahl der abgegebenen Tragetaschen wurde jedenfalls deutlich verringert. Weiterhin zulässig sind Tragetaschen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen
- In den USA können Städte Regelungen im eigenen Wirkungsbereich erlassen. So hat etwa Los Angeles 2007 ein Verbot erlassen, in Washington DC ist nach Einführung einer Abgabe von 5 dollar-cent pro Tragtasche die Anzahl der Sackerl von rund 22 Mio pro Monat auf 3 Mio zurückgegangen.
- In China gibt es seit 2008 Beschränkungen, Taschen dürfen nur noch gegen Entgelt abgegeben werden.
Es gibt genug Alternativen
Papiersäcke werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und verrotten innerhalb kurzer Zeit, somit stellen sie keine Gefahr für Lebewesen und keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes dar. Sie können überdies in Österreich hergestellt werden und fördern daher nicht die Abhängigkeit von Erdölimporten.
Tragetaschen aus waschbaren Textilien wie Baumwolle oder aus Recyclingmaterialien, Netze und Körbe sind überhaupt am besten. Auch langlebige Kunststoffsackerl, die klein zusammengelegt immer griffbereit sind, können eine sinnvolle Alternative gegen die Flut an Gratissackerln sein.
Bio-Plastik für Lebensmittel
"Bio-Kunststoffsackerl" sind nur für bestimmte Anwendungen wie z.B. als Umverpackung für Brot, Obst und Gemüse empfohlen. Diese bringen nämlich im Vergleich zu herkömmlichen Plastik sogar eine deutlich verbesserte Haltbarkeit. Bio-Kunststoffe werden zum größten Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Mais, Rüben, Weizen oder Erdäpfeln hergestellt. Sie haben gute Brennwerte, sind weitgehend CO2-neutral und biologisch abbaubar. Durch die gute Wasserdampfdurchlässigkeit von Biokunststoffsäcken im Vergleich zu Plastik trocknen die Lebensmittel zwar etwas stärker aus als in Polethylen-Säcken, dafür entwickeln sich aber weniger Keime und der typische Geschmack bleibt länger erhalten. Die Stadt Wien befürwortet den Einsatz der sogenannten „ Biokunststoffe“, wenn die ökologischen Rahmenbedingungen eingehalten werden: insbesondere kurze Transportwege, Gentechnikfreiheit sowie nachhaltige Produktion und frei von Pestiziden.
