29.4.2011
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Green Jobs - Qualifizieren für die Zukunft
Statt AMS-Gelder für fragwürdige Maßnahmen auszugeben, wollen wir eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik durch Green Skills fördern. Das würde 50 000 neue Arbeitsplätze für Wien bringen.
Wir wollen Arbeitsplätze durch Investition und Innovation in neue Energie- und Umweltbereiche sowie Sozial-, Bildungs-, und Pflegeberufe schaffen. Damit die Chancen und Risiken der wirtschaftlichen Dynamiken zwischen Unternehmen und ArbeitnehmerInnen gleicher verteilt sind, braucht es ein arbeitsmarktpolitisches Aktionsprogramm. Mit dem Fall der Übergangsfrist am 1. Mai wird endlich das EU-Grundrecht auf Freizügigkeit der ArbeitnehmerInnen umgesetzt, das ein erfreulicher Schritt.
Mehr als 103.000 Arbeitssuchende in Wien
Im März 2011 ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr in Wien um 8,5% gestiegen. Zählt man SchulungsteilnehmerInnen, die in der Arbeitslosenstatistik nicht berücksichtigt werden zu den beim AMS registrierten Erwerbsarbeitslosen dazu, dann sind beim AMS 103.231 Personen auf Jobsuche. Ein kleiner Lichtblick, im März des Vorjahres waren es gar 105.013 Personen. Durch Schulungsmaßnahmen wird die Arbeitslosenstatistik geschönt. Im Grunde aber ist die Anzahl der Arbeit suchenden Personen seit Jahren auf hohem Niveau. Im Wahljahr 2010 waren verhältnismäßig viele Personen in Schulungen. Die Arbeitslosenzahlen sanken. Jetzt werden die Schulungsmaßnahmen aufgrund schlechterer budgetärer Rahmenbedingungen wieder zurückgefahren. Die Arbeitslosenstatistik zeigt nach oben.
Fragwürdige AMS-Kurse – fast die Hälfte der AMS Kurse nicht nützlich
Für Arbeit suchende Menschen bleibt der Zwang, fragwürdige Maßnahmen zu absolvieren. Weiterhin werden InformatikerInnen zum Computerführerschein geschickt, ÜbersetzerInnen in Sprachkurse und das 5. Bewerbungstraining angeordnet. Um Übertritte in die Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern und verfügbare Kursangebote auszulasten, schicken AMS-BeraterInnen die "AMS-KundInnen" oft dort hin, wo gerade Platz ist. Wer nicht spurt, ist weg und kriegt kein Geld mehr. Kein Wunder also, dass nur die Hälfte der AMS-KundInnen (56%) den Schulungen eine Nützlichkeit bescheinigen. Die Passgenauigkeit bei der Jobvermittlung trifft nur für 40 Prozent zu.
Klimawandel wirkt sich auf Arbeitsmarkt aus
Wir stehen vor gravierenden Herausforderungen: Wirtschafts-, Umwelt-, Energie-, Bildungs-, Sozial-, Finanzkrise. Es ist an der Zeit, die Krisen für einen nachhaltigen Strukturwandel zu nützen. Explodierende Ölplattformen und Atomreaktoren zeigen deutlich, Innovationen und Erneuerungen in der Energiepolitik sind notwendig.
Laut OECD wirkt sich der Klimawandel in drei Punkten auf den Arbeitsmarkt aus:
- Ein verändertes VerbraucherInnenverhalten führt zu einer stärken Nachfrage nach umweltsensiblen Produkten, Dienstleistungen und damit geänderten Produktionsverfahren. Daraus entstehen neue Jobs und Qualifikationsanforderungen.
- Die unmittelbaren Klimafolgen verändern die Agrarproduktion und damit die Agrarindustrie.
- Umweltrelevante Regulierungen z.b. CO2 Emmission erfordern neue Techniken und Technologien
Den großen ökologischen und sozialen Herausforderungen der Zukunft muss auch auf Seiten der Arbeitsmarktpolitik Rechnung getragen werden. Nachhaltigkeit in der Arbeitsmarktpolitik ist das Gebot der Stunde. Das AMS hat die Möglichkeit, arbeitsmarktpolitsche wie auch Beschäftigungsimpulse zu setzen. Investieren statt kürzen! Greening AMS!
Green Skills und Green Skilling - Ökologisches Arbeiten will gelernt sein
Innovative, neue Arbeitsfelder entstehen sowohl im Hochtechnologiebereich als auch für Fachkräfte und weniger qualifizierte ArbeitnehmerInnen. BauarbeiterInnen, Reinigungspersonal, MechanikerInnen, InstallateurInnen, ElektrikerInnen etc. brauchen ökologisches Know How. Umweltbezogenes Fachwissen muss in Zukunft Teil aller Ausbildungen sein bzw. soll als Zusatzquzalifikation angeboten werden. Die Anforderungen an Arbeitskräfte werden in Zukunft steigen. Das AMS hat die Möglichkeit, Weiterbildung in diesen Bereichen anzubieten. Green "Knowledge" wird eine Grundvoraussetzung für die meisten Berufe der Zukunft.
50.000 neue Arbeitsplätze für Wien
Green Jobs sind Arbeitsplätze im Ökobereich, in der Solartechnik, Alternativenergie, Umwelt- und Klimaschutz, ressourcenschonender Mobilität, thermischer Sanierung ebenso wie in den Bereichen Bildung, Pflege, Kinderbetreuung. In Wien gehen wir von 50.000 neuen Arbeitsplätzen aus. Die Zahl der bestehenden Jobs, die in Form von Anpassungsqualifizierung ökologisiert werden, wird diese Zahl um ein Vielfaches übersteigen. Der Bedarf an KindergartenpädagogInnen, AlternbetreuerInnen, PflegeexpertInnen kann derzeit nicht gedeckt werden. So lange die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung nicht verbessert werden, wird sich in diesen Bereichen der Arbeitskräftemangel und die hohe Fluktuationsrate nicht ändern. Green Jobs müssen angemessen bezahlt werden, bieten Arbeitsplatzsicherheit und gewähren ArbeitnehmerInnenrechte.
Arbeitsmarktöffnung als Chance
Wir sind die einzige Partei, die von Anfang an gegen die Übergangsfristen am Arbeitsmarkt waren. Die ArbeitnehmerInnen-Freizügigkeit gehört zu den wenigen Vorteilen, die EU-BürgerInnen direkt in Anspruch nehmen können. Bislang herrschte ein Ungleichgewicht zwischen der Freiheit des Kapitals/der Unternehmen und der von Personen. Die Grünen stehen der Öffnung des Arbeitsmarktes daher positiv gegenüber. Wie Erfahrungen in anderen Ländern nach der Grenzöffnung und seriöse Studien wie WIFO zeigen, sind pro Jahr 11.000 bis 16.000 neue Arbeitskräfte aus CZ, H, SK zu erwarten. Bei 3,5 Mio ArbeitsnehmerInnen in Österreich ist diese Zahl für den heimischen Arbeitsmarkt verkraftbar. Des weiteren ist davon auszugehen, dass primär gut qualifizierte Arbeitskräfte nach Österreich pendeln als sich hier niederlassen wollen.
Das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss für alle in Österreich arbeitenden Personen gelten, egal aus welchem Land der Beschäftigerbetrieb stammt. Mehr denn je brauchen wir einen Mindestlohn und bessere Bestimmungen zum Schutz vor Ausbeutung. Fachkräfte aus dem Ausland müssen über ihre Rechte informiert werden. Im rot-grünen Regierungsübereinkommen wurde der Ausbau von grenzüberschreitenden Beschäftigungsinitiativen vereinbart.
Unsere Forderungen an den Bund:
- Das AMS muss ein Ort der Unterstützung für Betroffene sein.
- Freiwilligkeit statt Zwang bei Maßnahmen
- Mehr Mittel für innovative, nachhaltige Arbeitsmarktpolitik
- Anhebung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe
- Mehr Beratungszeit durch mehr und besser qualifizierte AMS-BeraterInnen
- Individualförderungen statt Massenkurs
- Förderung von Green Skilling und Green Skills
Die Einrichtung einer Arbeitslosenanwaltschaft – Lobby und Beratung für Erwerbsarbeitslose – wurde im rot-grünen Regierungsübereinkommen vereinbart.
Arbeitsmarktpolitisches Aktionsprogramm:
- Investitionen in Green Jobs und Forschung: Umwelt, Klima, Energie, Bildung, Gesundheit, Pflege
- Einführung eines Mindestlohngesetz gegen working poor: existenzsichernden Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde
- Arbeitszeitverkürzung
- Überregionale Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsinitiativen insbesondere nach Öffnung des Arbeitsmarktes ab 1. Mai
- Einfühung von grenzüberschreitenden Arbeitsinspektoraten mit starkten Kontroll- und Sanktionierungsrechten
